Künstlerischer Ansatz
Für seine Rückkehr nach Chaumont-sur-Loire anlässlich des Events „10 Jahre Kunst in der Domaine“ hatte Sarkis, dessen Glasfenster seines Werks Ailleurs, Ici noch immer in den Schlafräumen der Bediensteten des Schlosses zu sehen sind, die Idee, ein originelles Werk zu bieten, indem er ein altes, beschädigtes Möbelstück „reparierte“, und zwar mit Hilfe der japanischen Technik Kintsugi. Diese auf wunderbare Weise verschönerte und vom Künstler zu neuem Leben erweckte Kommode, deren Risse und Blessuren mit Gold bestäubt werden, findet ihren Platz im Salon der Prinzessin de Broglie, als Beweis für ein mögliches Überleben über die Stürme der Zeit hinaus.
Kintsugi (金継ぎ), was wörtlich übersetzt soviel wie „Goldverbindung“ bedeutet, bezeichnet eine japanische Reparaturmethode für kaputtes Porzellan oder beschädigte Keramik mit Lack, welcher mit Gold bestäubt wird. Sie wurde Ende des 15. Jahrhunderts in Japan entwickelt und liegt einer Philosophie zugrunde, die die Vergangenheit des Gegenstandes berücksichtigt, dessen Geschichte und folglich auch die Missgeschicke, die ihm unter Umständen widerfahren sind. Es geht nicht darum, die Reparaturen zu kaschieren, sondern ganz im Gegenteil darum, sie in den Vordergrund zu stellen – und das dank der Verwendung von Lack und Goldpulver. Die Kunst des Kintsugi hat die Entwicklung einer neuen Ästhetik ermöglicht: so kann der kaputte Gegenstand sein Leben in einer anderen Form fortsetzen.
BIOGRAPHISCHE ANGABEN
SARKIS
TURKEI


Sarkis wurde 1938 in Istanbul in der Türkei geboren. Er lebt und arbeitet in Paris.
Sarkis erwarb sein Diplom an der Universität für Schöne Künste Mimar Sinan in Istanbul und stellte 1960 zum ersten Mal in der Istanbul Art Gallery aus, bevor er 1964 nach Paris ging. Sarkis arbeitete mit verschiedenen Medien und wurde ab dem Ende der 60-er Jahre zur Ikone der zeitgenössischen Kunst, insbesondere aufgrund seiner Installationen.
2010 kommunizierten die Installationen von Sarkis bei der Ausstellung Passages im Centre Pompidou in Paris mit den Werken von Kasimir Malevich, André Breton oder auch von Joseph Beuys, der Sarkis stark beeinflusste. Passages beschwört sowohl den Gedanken des ständigen Übergangs vom Atelier zum Museum herauf, als auch die Arbeit von Walter Benjamin über die Pariser Passagen. Seine Werke, die den Kriegsschatz des Künstlers zusammenstellen, bestehen aus Fundobjekten, Kunstwerken oder ethnographischen Objekten, die aus verschiedenen Zivilisationen stammen.
2011 widmete ihm das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst von Genf (Schweiz) eine große Retrospektive mit dem Titel Hôtel Sarkis.
2012 präsentierte Sarkis Ballads auf Einladung des Museums Boijmans van Beuningen und des Hafens von Rotterdam (Niederlande), und später Ailleurs, Ici in der Domaine von Chaumont-sur-Loire. Im gleichen Jahr nahm Sarkis in Paris an der Triennale „Intense Proximité“ im Palais de Tokyo und an „Néon, who’s afraid of red, yellow and blue?“ im Kulturzentrum Maison rouge – Fondation Antoine de Galbert sowie an der Ausstellung Istanbul Modern im Museum Boijmans van Beuningen von Rotterdam (Niederlande) teil.
2013 war Sarkis bei der 55. Ausgabe der Biennale von Venedig an der Ausstellung „When attitudes become form: Bern 1969/Venice 2013“ in der Stiftung des Modekonzerns Prada (Venedig, Italien) präsent, einer Neuinszenierung der historischen Ausstellung von 1969 in der Kunsthalle von Bern (Schweiz) „Wenn Attitüden Form werden“ (When attitudes become form live in your head), zu welcher der berühmte Kunsthistoriker und Schweizer Ausstellungskurator Harald Szeemann Sarkis bereits damals eingeladen hatte.
2014 widmete ihm das Schlossmuseum Château des Ducs de Wurtemberg von Montbéliard eine große persönliche Ausstellung.
2015 war Sarkis anlässlich der 56. Ausgabe der Biennale von Venedig (Italien) der Künstler, der zur Darstellung des Pavillons der Türkei eingeladen wurde, und nahm an der Ausstellung Armenity im Pavillon der Armenischen Republik teil, die mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde. Im September stellte er zur 14. Ausgabe der Biennale von Istanbul (Türkei) aus und wurde außerdem von der Villa Empain – Boghossian-Stiftung in Brüssel (Belgien) anlässlich der Ausstellung Sarkis mit Paradjanov eingeladen.