Démarche artistique
Der bedeutende Künstler der brasilianischen Szene Tunga - dessen Spitzname von den Tunga-Inseln im Pazifischen Ozean stammt - gehört zu einer Künstlergeneration, die auf die Generation von Lygia Clark und Hélio Oiticica folgt. Er verfolgt einen multidisziplinären Ansatz mit Bildhauerei, Installationen, Videos, Performances oder Zeichnung. Seine Werke, die auf literarischen, philosophischen, wissenschaftlichen (Mathematik, Entomologie, Archäologie, Medizin…) Referenzen beruhen, zeigen die „Dualität zwischen dem zerebralen Schema und dem biologischen Impuls" (Nelson Aguilar) auf.
Er nimmt Mythos und Fiktion, „alchemistische" Prozesse zu Hilfe, um ein pluralistisches Werk von „beunruhigender Fremdartigkeit" zu komponieren. In seinen Werken finden sich alle Arten von Materialien und banalen Objekten. Geblasenes Glas, Kristallkugeln, Billardkugeln, Schwämme, Bürsten, Seile, Mineralien…
Eines seiner spektakulärsten Werke, True Rouge , ist eine faszinierende Skulptur aus dem Jahr 1997, die in Inhotim in Brasilien ausgestellt ist und aus gleichermaßen ähnlichen wie unterschiedlichen Objekten (Schwämmen, Billardkugeln, Glaskugeln, Bürsten, Glasflacons) besteht, die in Netzen aufgehängt sind, und alles ist in blutrote Flüssigkeit getaucht… 2005 zeigte er in seiner monumentalen Installation À la lumière des deux mondes, die unter der Pyramide des Louvre ausgestellt wurde, die wechselseitigen Beziehungen zwischen den Kulturen der Neuen und der Alten Welt. Die schwebende Skulptur bestand aus schwarzen ineinander verschlungenen weichen, geflochtenen Formen, in denen vergoldete Schädel sowie die Köpfe der Statuen berühmter Männer aus der Sammlung des Louvre gefangen waren…
Im Hof der Stallungen der Domaine de Chaumont-sur-Loire zeigt Tunga, der von den Spuren einer langen Vergangenheit sowie von Meteoriten oder Himmelskörpern aus Asteroiden fasziniert ist, einen großartigen versteinerten Baum mit graublauen Reflexen.
BIOGRAFISCHE ANGABEN
Tunga au Domaine de Chaumont-sur-Loire, 2015 - © Éric Sander