Künstlerischer Ansatz
Das originelle Werk der Künstlerin Sheila Hicks ist eine besondere Installation, die im Rahmen eines von der Region Centre-Val de Loire finanzierten Auftrages speziell für die gewendelte Ehrentreppe von Schloss Chaumont-sur-Loire entworfen wurde.
„Die ,Satelliten‘ an den Wänden der gewendelten Ehrentreppe im Schloss sind wie Sternbilder eines interstellaren, interplanetaren Gartens. Der weiße Tuffstein, der mit der Zeit Patina angesetzt hat, führt einen fruchtbaren Dialog mit den unendlichen Farben der Fasern.
Was mich schon immer inspiriert hat, ist die Ablehnung von Wiederholungen, der Wunsch, niemals nachzumachen, was ich bereits kreiert habe. Ich möchte in einem kontinuierlichen Erfindungsprozess bleiben und jedes Mal etwas erschaffen, das noch nicht existiert.
Einer der Hauptgründe dieses Strebens nach ständiger Neuerung liegt in den widersprüchlichen Welten meiner Kindheit: da war einerseits der ,General Store‘, den mein Großvaters mütterlicherseits in der Stadt besaß und in dem ich ständig die Qual der Wahl zwischen einer Vielfalt an Dingen hatte, und andererseits der schlichtere Bauernhof meiner Großmutter väterlicherseits, Ida, wo man immer wieder alles mit nichts erfinden musste. Diese gegensätzlichen Einflüsse sind einer der Hauptgründe meines ständigen schöpferischen Drangs.
Ich liebe es, Farben zu erschaffen, die nicht in der Natur sind. Ich bin in einem permanenten Erfindungsprozess und auf der Suche nach neuen Entdeckungen. So halten die farbenfrohen Satelliten an den Wänden Schock- und Überraschungsmomente bereit.
Nach meiner Auffassung können alle Farben zusammenpassen. Es kommt auf die verschiedenen Materialschichten an, auf die Lichtmenge und auf die Dichte der Schatten der Farbstrahlen, der verwobenen, gespannten Seiden- oder Leinenfäden, die den Werken ihre Strahlkraft verleihen.
Aus der Farbe entsteht eine Energie, eine spirituelle Kraft, ein Gefühl des Friedens.
Wahrscheinlich rufen die Farben reine Emotionen hervor und sprechen direkt die Seele an.” Sheila Hicks, im Gespräch mit Chantal Colleu-Dumond
Sheila Hicks bringt mit einer phänomenalen Virtuosität Faden, Fasern und Farben zum Einsatz, so wie ein Maler sich Pigmente zunutze macht.
Jede Neuschöpfung ist für sie eine Reise, eine Forschungsstudie mit wundervollen Farbobjekten und monumentalen Schnurstickereien in einer breiten Palette aus natürlichen und synthetischen Fasern, die sie ständig begleiten und mit denen sie ihre unendlich poetischen Welten erschafft.
Monumentale Installationen oder feine Collagen und Webereien aus Wolle oder Leinen sind charakteristisch für die Farbwissenschaft dieser unglaublichen Künstlerin, die sämtliche Anwendungsformen des Fadens, die sie an den ungewöhnlichsten Orten bei ihren zahlreichen Entdeckungsreisen kennengelernt hat, bis ins letzte Detail kennt.
BIOGRAPHISCHE ANGABEN
Sheila HICKS
VEREINIGTE STAATEN
Sheila Hicks 1934 in Hastings, USA, geboren; lebt und arbeitet seit 1964 in Paris. Hervorgehend aus der langen Tradition der modernen Kunst, bei der die Abstraktion mit zahlreichen anderen Fachrichtungen verbunden wird, interpretiert die amerikanische Künstlerin Sheila Hicks die volkstümliche textile Handwerkstradition neu, indem sie mit ihren textilen Werken die Grenzen zwischen Malerei und Bildhauerei verwischt. Als sie ihre Ausbildung bei Josef Albers in Yale beendet hatte, begann sie bei einer Reise nach Südamerika von 1958 bis 1959 mit der Bearbeitung von Fasern; hier erkundete sie Handwerksbetriebe in Kolumbien, Chili, Peru und Bolivien. Die Faser wurde anschließend zum Hauptmaterial ihrer Werke. Sheila Hicks betrachtet ihre Arbeit, die von ihren Reisen und den Kulturen, die sie untersuchte, beeinflusst wurde, als einen Prozess, dessen Ergebnis ein regelrechter Austausch zwischen ihren Werken und dem Betrachter, aber auch dem Gebäude ist, in dem sie ausgestellt werden.