Démarche artistique
„Jedes Werk von Pascal Convert trägt eine unglaubliche Tiefe in sich, eine seltene emotionale Kraft, die von den Themen und Objekten herrührt, auf die sein Blick sich unermüdlich richtet. Ob er durch Fotografie die verschwundenen Buddha-Statuen von Bamiyan evoziert oder durch seine Skulpturen und Radierungen an Kriegsschauplätze aller Art erinnert, die Spur, der Abdruck, das Gedächtnis stehen im Mittelpunkt seines künstlerischen Wirkens, immer nahe an dem, was unsere Seelen verletzt und an Leiden, die unser Herz durchbohren.
Was gibt es Natürlicheres als die Beziehung dieses Schriftstellers, der auch Filmemacher ist, zu Büchern und Bibliotheken, die unseren Blick auf die Welt verändern und unsere inneren Türen öffnen? Doch mit einem faszinierenden Transsubstantiationsverfahren geht er weit über die Anziehungskraft dieser Wissensobjekte hinaus, indem er mit schmelzflüssigem Glas das Gedächtnis der Bücher kristallisiert, die auf diese Weise in den Skulpturen erhalten bleiben. Im Schloss Chaumont-sur-Loire, wo paradoxerweise die Werke der Fürstin de Broglie einem Brand im Jahr 1957 zum Opfer fielen, vollziehen die erstarrten Bücher Pascal Converts, die die Seele der verschwundenen Texte in einer Hülle aus durchscheinendem Glas einschließen, eine fast schon alchemistische Rückkehr in die Bibliothek und verleihen ihr somit in unserem Gedächtnis eine fortwährende Beständigkeit.” Chantal Colleu-Dumond, Memento, 2020
Chambre intérieure cristallisée
Nichts mutet zerbrechlicher an als dieses Bett aus leicht mit weißem Sand beperlten Glaswölbungen, wunderbare Abdrücke von schmiedeeisernen Arabesken, die einen schützenden Käfig um den kindlichen Schlaf spannen. An diesem Ort, der so unschuldig erscheint, weit entfernt vom hektischen Treiben der Welt, im flackernden Licht, „lebt das Leben, träumt das Leben, leidet das Leben1"
Auf der einen Seite verewigte Wächter, Kandelaber mit rauen Kristalleinschlüssen, die im Glas die blendende Flamme der Kerzen einschließen, deren Widerschein, nun im Inneren gefangen, die Fenster nach Sonnenuntergang nicht mehr erhellen wird.
Auf der anderen Seite reflektieren Spiegelrahmen aus Kristallglas nicht länger eine Vielzahl von Bildern, sondern heben Bildausschnitte hervor, aufgeschlagen wie Bücher.
Dieses Schlafzimmer, von einer im Traum erstarrten Transparenz, zwischen Aufbruch und Geschlossenheit, An- und Abwesenheit, hütet so das bebende Gefühl eines inneren Bewusstseins.
„Die Kunst ist eine wahre Transmutation der Materie. Die Materie wird dabei vergeistigt, das physische Umfeld dematerialisiert, um die Essenz, also die Beschaffenheit einer ursprünglichen Welt, widerzuspiegeln.2„
Glasabdruck eines alten schmiedeeisernen Kinderbettes (130 x 60 x 80 cm), Kristallisation eines Paares hölzerner Leuchter aus dem 18. Jahrhundert (63 cm), Kristallisation von drei hölzernen Spiegelrahmen (22 x 26 cm – 24 x 28 cm – 30 x 42 cm)Glasmachermeister: Olivier Juteau en bois (63 cm), cristallisation de trois cadres de miroir en bois (22 x 26 cm – 24 x 28 cm – 30 x 42 cm)
Glasmachermeister: Olivier Juteau
2021
Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und der Galerie Éric Dupont, Paris
[1] Charles Baudelaire, Die Fenster, in: Kleine Gedichte in Prosa, 1869.
[2] Gilles Deleuze, Marcel Proust et les signes, Presses universitaires de France, Paris, 1964, p. 42.
LES TROIS ANGES
2007 fertigte Pascal Convert für die Abteikirche von Saint-Gildas-des-Bois in der Nähe von Nantes vierzehn große Glasfenster an. Sie wurden von Fotografien von in die Psychiatrie eingewiesenen Kindern inspiriert, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgenommen wurden. In diesem einzigartigen Werk eines negativen Basreliefs mit dem TitelGlasmachermeister: Olivier Juteau siècle. Dans cette œuvre unique en bas-relief négatif, titrée Les trois anges („Die drei Engel“, 2009) durchbricht Pascal Convert die Isolation der Kinder, indem er drei der Figuren junger Mädchen zusammenbringt, die ursprünglich in der Revue photographique des hôpitau x (1905) wie in den Kirchenfenstern in Saint-Gildas-des-Bois getrennt waren.
Unbeweglich, die Hände sich kaum berührend, sehen sie uns an, obwohl ihre Augen geschlossen sind. Eine von ihnen scheint auf uns zugehen zu wollen.
„Wie können diese Figuren so furchtbar präsent sein, wo doch nichts getan wird, um die Illusion von undurchsichtigen Körpern aus Fleisch und Blut zu vermitteln? Warum erzeugen sie ein so starkes Gefühl von Leben? Denn, und das ist erwähnenswert, man kann diese Kinder zu keinem Zeitpunkt für tot halten: Sie richten sich auf, sie starren uns an. Sie beobachten. (...) Jede verleitet zu einem langen Blick, Fragen oder Tagträumereien. Dies könnte man den Roman eines jeden Gesichts nennen.“ Philippe Dagen, Des êtres humains que rien ne peut faire disparaître, in: Pascal Convert, Abbatiale de Saint-Gildas-des-Bois, Éditions du Patrimoine, 2009.
BIOGRAPHISCHE ANGABEN
Pascal CONVERT
FRANKREICH

Als Sohn eines Künstlers wird Pascal Convert 1957 in Mont-de Marsan geboren. Er ist zugleich plastischer Künstler, Schriftsteller und Regisseur und bezeichnet seine Arbeit als Archäologie der Architektur, der Kindheit, der Geschichte, des Körpers und der Zeiten. Er greift auf Materialien wie Glas und Wachs zurück, die ans Verrinnen der Zeit, an Licht und an die fortbestehenden Eindrücke der Vergangenheit erinnern. 1987, als er gerade in Bordeaux lebt, bedeckt er die Holztafeln eines Raumes in seiner Wohnung mit Glasplatten und beginnt damit seine Reihe Appartement de l’artiste. 1989 und 1990 residiert er in der Villa Medici in Rom. Im Jahr 1992 hat er seine erste bedeutsame Einzelausstellung im CAPC in Bordeaux. 1997 wird er vom Philosophen und Kunsthistoriker Georges Didi-Huberman eingeladen, an der Ausstellung L’Empreinte im Centre Pompidou an der Seite von Künstlern wie Giuseppe Penone, Man Ray und Alain Fleischer teilzunehmen. Georges Didi-Huberman widmet ihm mehrere Werke bei den Éditions de Minuit und beteiligt ihn an zahlreichen Ausstellungen. 2002 wird sein Denkmal für die von 1941 bis 1944 am Mont Valérien erschossenen Widerstandskämpfer und Geiseln eingeweiht (Mémorial de la France combattante, Suresnes). Gegenüber der Kapelle, in der die Verurteilten eingesperrt wurden, bevor sie zum Ort ihrer Hinrichtung geführt wurden, errichtet Pascal Convert eine 2,70 x 2,18 m große Bronzeglocke, in die die Namen der Verstorbenen eingraviert sind. An diese Arbeit anknüpfend dreht er im Jahr 2003 den Dokumentarfilm Mont Valérien, aux noms des fusillés .
2007 sind in seiner Ausstellung Lamento im MUDAM (Luxemburg) Wachsskulpturen zu sehen, die von symbolträchtigen Pressefotos inspiriert sind: La Pietà du Kosovo 2016 nimmt er an der interdisziplinären Ausstellung Soulèvements in der Galerie Jeu de Paume in Paris teil. Das Jahr ist insbesondere von einer Einladung der Französischen Botschaft in Afghanistan zum 15. Jahrestag der Zerstörung der Buddha-Statuen von Bamiyan durch die Taliban geprägt. In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen ICONEM, das auf Archäologie in Konfliktzonen spezialisiert ist, stellt er eine Mission auf die Beine. Mithilfe von Drohnen scannt er den kompletten Felsen von Bamiyan und stellt die Bilder der internationalen Wissenschaftsgemeinde frei zur Verfügung. Mit einem hochpräzisen Gerät fertigt er einen „fotografischen Abdruck“ des Ortes an, an dem die Monumentalwerke vor rund 1.600 Jahren in den Fels gehauen wurden. 2019 widmet ihm die Galerie Éric Dupont eine Einzelausstellung, Trois arbres
, eine Arbeit rund um Birkenrinden aus dem Krematorium V von Auschwitz-Birkenau, einen verstrahlten Kirschbaum von Hiroshima und die steinernen Bäume des Lebens der armenischen „Chatschkare“. Für das Jahr 2021 zeichnen sich weitere Projekte ab, so die Doppelausstellung, à l’occasion de la Force de l’Art au Grand Palais (Paris) en 2009. Elle fait aujourd’hui partie de la collection permanente du Musée national d’art moderne de Paris. Il réalise encore le documentaire Panoramique de la falaise de Bamiyanim März im Musée Guimet und im Louvre Lens, und im Mai die Erschaffung eines Werkes für den Invalidendom im Rahmen der Ausstellung Raymond Aubrac : résister, reconstruire, transmettre (Seuil, 2011), et consacre à ce personnage deux documentaires. Deux ans plus tard paraît le récit autobiographique La Constellation du Lion (Grasset). En 2014, il participe à la Biennale de Busan en Corée du Sud et à l’exposition collective La Guerre qui vient n’est pas la première : 1914-2014 au Musée d’art moderne et contemporain de Trente et Roverento en Italie.
En 2016, il participe à l’exposition transdisciplinaire Soulèvements au Jeu de Paume. L’année est surtout marquée par une invitation de l’ambassade de France en Afghanistan à commémorer le 15Glasmachermeister: Olivier Juteau anniversaire de la destruction des Bouddhas de Bâmiyân par les talibans. Pascal Convert monte une mission en partenariat avec la société ICONEM, spécialisée dans l’archéologie des zones de conflit. Avec des drones, il scanne la totalité de la falaise de Bâmiyân, et laisse les images en libre accès à la communauté scientifique mondiale. Avec un appareil de haute précision il fait une “empreinte photographique” du lieu où les statues monumentales ont été sculptées il y a environ 1 600 ans.
2019 widmet ihm die Galerie Éric Dupont eine Einzelausstellung, Trois arbres, eine Arbeit rund um Birkenrinden aus dem Krematorium V von Auschwitz-Birkenau, einen verstrahlten Kirschbaum von Hiroshima und die steinernen Bäume des Lebens der armenischen „Chatschkare“.
D’autres projets se profilent en 2021, avec en mars la double exposition du Panoramique de la falaise de Bamiyan au Musée Guimet et au Louvre Lens, et en mai la création d’une œuvre pour le Dôme des Invalides dans le cadre de l’exposition Napoléon ? Encore. Im Herbst wird die Galerie Éric Dupont die Einzelausstellung Bibliothèque de confinement zeigen, während ein weiteres Projekt mit der Cahn Contemporary Galerie in Basel entstehen soll.