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Chaumont-Photo-sur-Loire 2022/2023

Éric Bourret

"Arbos" und "Primary forest"
Le Château

Künstlerischer Ansatz

„Ich bestehe aus den Landschaften, die ich durchquere und die mich durchdringen. Für mich ist das fotografierte Bild eine Ansammlung von Formen, Energie und Bedeutung.“
Éric Bourret ist seit 30 Jahren Fotograf und durchstreift die sogenannten natürlichen Gebiete, um die Bewegung, die sie lebendig macht, festzuhalten. Aus seinen langen Wanderungen in Verbindung mit einer einzigartigen fotografischen Umsetzung entstehen Serien, die alle einen Bezug zum Gedächtnis der Landschaft haben. „Das Gedächtnis der Orte ist lebendiger als das der begrabenen Sterblichen, die sie zu ihrem Ruhm mit dem Schweiß und Blut der Sklaven errichteten, die unter den Blöcken gebeugt wurden, die sich mit den behauenen, aufgestapelten Felsen abmühten, ein pyramidenförmiger Mechanismus oder ein labyrinthisches Gewirr, in dem das Echo der höheren Stimmen, die das hieratische Objektiv des Fotografen einfängt, umherirrt und sich verirrt.“, schreibt der Fotokritiker Patrick Roegiers über eine Reise durch das Land der Pharaonen.
 
Die Bilder von Éric Bourret werden als fotografische Noten einer durchlaufenen Partitur wahrgenommen und zeugen von einer subjektiven Erfahrung. Mehr als 6 Monate im Jahr bereist der Wanderkünstler nicht nur Frankreich, die Provence oder das Pays de la Loire, sondern auch China sowie die Urwälder Südafrikas. „Im Himalaya oder im Département Hautes-Alpes lädt das Wandern zur Einfachheit ein. Es kann gleichermaßen ein philosophischer Akt sowie eine spirituelle Erfahrung sein. […] Der Fotoapparat selbst speichert und macht die Erfahrung der bereisten Landschaft lesbar. Die Fotografie überträgt die Ströme, die die Landschaft beleben ebenso wie die Ströme, die unseren eigenen Körper beleben. […] Das achtstündige Laufen pro Tag führt physiologisch zu einer anderen Einstellung zum Raum und zu einer echten Konditionierung. Wobei ich am Ende nicht mehr genau weiß, ob ich mit meinen Augen oder mit meinem Körper sehe“, erklärt Éric Bourret im Rahmen der Ausstellung, die aktuell im Musée de Lodève, Hérault, stattfindet.
Während seiner Wanderungen macht der Künstler einem extrem präzisen Protokoll folgend zahlreiche Fotografien. Er versucht, den unaufhörlichen Fluss einzufangen, der die Landschaft durchzieht, wie die Vibrationen einer Energie im Inneren des Geländes, und versucht mit allen Mitteln, sich des Ergebnisses enteignen zu lassen. Jedes Bild muss enthüllen und sich entziehen und ein Schwindelgefühl erzeugen, das für den Künstler das Zeichen ist, „dass es die Wirklichkeit berührt“, wie der Soziologe Gilbert Beaugé erklärt. Er fährt fort: „Für ein Bild, das sich selbst genug ist, spricht Éric Bourret von ’Ergebnis’, ‘Kraft’, ’Unerbittlichkeit’, ‘Eigenleben’, aber vor allem von Selbstüberwindung.”
 
So versenkt sich der Fotograf in eine sehr persönliche Betrachtung der Landschaft, ohne jemals eine dokumentarische Absicht zu entwickeln. Seine Nachforschungen gehen in die Richtung eines extrem mächtigen poetischen Ausdrucks, den er im Herzen der Natur findet. „Man könnte meinen, dass der Fotograf die Landschaft wie ein Naturkünstler betrachtet, aber ohne direkte Intervention und Aneignung. Er berührt sie nicht, er befindet sich darin, um nach Anhaltspunkten des Fortschritts zu suchen. Er wandert auf und ab so wie der Schnee fällt. Er lässt sich von einem greifbaren Ensemble an Formen und Stoffen berühren, mit einer ausgeprägten Wahrnehmung der Räume im Raum. Er befindet sich darin, um den Möglichkeiten der Erfahrung des Laufens und des Sichtbaren zuvorzukommen“, betont die Autorin und Kunstkritikerin Sophie Braganti. Diese meditative Poesie schöpft aus den Forschungen der Land Art, der Minimal Art und der Performance. Der Künstler zelebriert die Art, wie die Elemente der Landschaft ineinandergreifen und befasst sich damit, die Natur als eine schöpferische Kraft wie die Kunst zu zeigen, unabhängig davon, ob das Auge auf den Mikro- oder den Makrokosmos gerichtet ist. „Die grafischsten Werke von Éric Bourret sind Teil dieser umfassenden antimaterialistischen, anti-nominativen und anti-individualistischen Tradition der Darstellung der Welt, in der sich der Künstler nicht mehr als Schöpfer präsentiert, sondern als Medium, als Fährmann, und hier noch prosaischer als Wanderer, der die Realität der Welt auf der Oberfläche seines fotografischen Displays empfängt“, führt der Kurator Jean-Rémi Touzet aus.
 
Der Blick, der das Werk Éric Bourrets erkundet, kann dazu angeregt werden, sich die Frage nach dem konkreten Wesen dessen zu fragen, war er wahrnimmt. Ist das wirklich Fotografie? Ist es nicht eher eine Zeichnung, Gravur oder Malerei? Diese Ungewissheit fasziniert und lässt so viele künstlerische Referenzen einfließen, wie es Fantasiewelten gibt. Der Fotograf selbst zögert nicht, Simon Hantaï sowie Gerhardt Richter oder auf fotografischer Ebene Gustave Le Gray zu erwähnen. Wenn Eric Bourrets Werk sich so in die Kunstgeschichte einreiht, heißt das nicht, dass er die Sorgen der heutigen Welt und die wiederholten Schläge gegen den Planeten vergisst. „Indem er jeden Horizont ablehnt, so nah wie möglich am Ausdruck selbst bleibt, bestätigen die Bilder, die er am Ufer des Lac du Salagou gemacht hat in dieser Hinsicht, dass jede Oberfläche, ob es nun die unseres Planeten oder diejenige ist, auf der sich unsere biografischen Projekte abspielen, vor allem ein illusorisches Theater ist, wo die Kategorien nah oder fern, alt oder neu, wo die Plastik der Gipfel, der Ebenen oder der Abgründe am Ende ebenso flüchtige wie vergängliche Statisten unserer menschlichen Handlungen sind“, führt der Schriftsteller Pierre Parlant aus.
 
An den Wänden von Chaumont-Photo-sur-Loire wird Eric Bourret eine Reihe unveröffentlichter Fotografien mit dem Titel Arbos aufhängen, die er in den Gebieten rund um die Loire aufgenommen hat. Die meisten Zitate dieses Textes sind dem Buch mit dem Titel Éric Bourret - Écrit d’auteurs 1997-2021, das von ARTGO & Cie neu verlegt wurde, entnommen. Es handelt sich um eine unveröffentlichte Arbeit des Wanderns auf den Wegen an der Loire entlang in den Wintern der Jahre 2021 und 2022.
Er wird außerdem etwa ein Dutzend Abzüge der Serie Primary Forest zeigen, die er beim Wandern in den Urwäldern der Makaronesischen Inseln (Azoren, Madeira, Kanaren) und den Urwäldern Chinas und Finnlands zwischen 2016 und 2019 gemacht hat.

BIOGRAPHISCHE ANGABEN

Éric BOURRET
FRANKREICH
 
 

Der 1964 in Paris geborene Éric Bourret lebt und arbeitet sowohl in Frankreich als auch in einigen der entlegensten Gebieten der Erde, von den Gipfeln des Himalayas über die isländischen Fjorde bis hin zu den Urwäldern Chinas und der Makaronesischen Inseln. Sein Werk als Wanderkünstler reiht sich in die Linie der englischen Landartists und Fotografen-Landschaftsvermesser ein. Seit Beginn der 1990er Jahre bereist er die Welt zu Fuß und macht dabei Aufnahmen, die er „Erfahrungen des Laufens, Erfahrungen des Sichtbaren“ nennt. Mit diesen Bildern drückt Éric Bourret die tiefgreifenden sensorischen und physischen Veränderungen aus, die das Laufen auslöst, das die Wahrnehmung steigert.

Im Laufe seiner Reisen, die von einigen Tagen bis hin zu Jahren dauern, wendet er ein vorher bestimmtes Protokoll an, das die Anzahl und die Entfernungen der Aufnahmen festlegt und dann die verschiedenen Ansichten derselben Landschaft auf einem Negativ übereinanderlegt. Diese Sequenzen intensivieren die Bewegung der geologischen Schichten und machen sie zugänglich, indem sie die gewöhnliche Zeitlichkeit des menschlichen Seins verwischen. Diese fotografische Ephemeride durchbricht die Struktur des ursprünglichen Bildes und schafft eine andere Realität, die zugleich beweglich und empfindlich ist. Das Bild ist lebhaft, fast animiert. Sachlichere Serien geben Datum, Ort, Dauer und zurückgelegte Entfernung an und vermitteln so den Rhythmus und den Raum dieses Wandertagebuches.

LES ARTISTES

ÖFFENTLICHE SAMMLUNGEN

Artothèques de Draguignan, Miramas, Grenoble, Nantes and Nice, France
Bibliothèque Nationale de France, Paris, France
Fondazione Italiana per la Fotografia, Torino, Italy
Fonds Départemental, Conseil général de l’Yonne, France
Galerie du Château d’Eau, Toulouse, France
Hôtel des Arts, Centre Méditerranéen d’Art, Toulon, France
Le Centre d’Art Informel de Recherche sur la Nature, Digne-les-Bains, France
Le Parvis, Tarbes, France
Maison Européenne de la Photographie, Paris, France
Musée d’Art Contemporain et d’Art Moderne, Nice, France
Musée d’Art Contemporain, Marseille, France
Musée d’Art et d’Archéologie, Aurillac, France
Musée de l’Élysée, Lausanne, Switzerland
Musée Gassendi, Digne-les-Bains, France
Musée Géo-Charles, Échirolles, France
Musée Granet, Aix-en-Provence, France
Musée Muséum départemental des Hautes-Alpes, Gap, France
Musée Picasso, Antibes, France
Musée Ziem, Martigues, France
Muséu da Imagen, Braga, Portugal
Museum of Contemporary Art of Tamaulipas, Mexico
Portfolio Hermès remis aux Chefs d’États, Conseil Européen, Nice, France
The Photographic Museum of Finland, Helsinki, Finland
Théâtre de la Photographie, Nice, France
Xie Zilong Photography Museum, Changsha, China

AUSGEWÄHLTE MONOGRAFISCHE AUSSTELLUNGEN

2021
Flux, Centre de la Vieille Charité, Festival Photo Marseille & Musées de Marseille, France
Sainte-Victoire – 1991-2021, Musée du Pavillon de Vendôme, Aix-en-Provence, France
2019
Éric Bourret walks alone, Sapar Contemporary Gallery, New-York, USA
Walk, Xie Zilong Photography Museum / XPM, Changsha, China
2018
Zéro, l’infini, Espace à Vendre, Nice, France
The 3rd Shenzhen International Photography Week, Shenzhen Art Museum, China
Impression, Éco-Musée, Volx, France
2017
Carnet de marche, Musée Dauphinois, Grenoble, France
2015
Et l’espace fera de moi un être humain, Musée Ziem, Martigues, France
Le temps de la marche, Abbaye de Montmajour, Arles, France
Timescape, Galerie Esther Woerdehoff, Paris, France
2014
Le temps de la marche, Galerie Jean Greset, Besançon, France
2013
Timescape, Galerie Lazarew, Paris, France
2012
Excuse me, While I Kiss the Sky, Centre d’Art Le Moulin, La Valette-du-Var, France
2010
Hun-Tun, Musée d’Art Moderne et d’Art Contemporain, Nice, France
What do we really know about landscape?, Arts on Main, Johannesburg, South Africa
Lure, Musée Prieuré de Salagon, Mane, France
2006
Le Var et l’ailleurs, Hôtel des Arts, Toulon, France
2004
Montagne au Carré, Musée Muséum, Gap, France

AUSGEWÄHLTE GRUPPENAUSSTELLUNGEN

2019
Par Hasard, Friche la Belle de Mai, Centre de la Vieille Charité, Marseille, France
Bis Repetita Placent, Espace de l’Art Concret, projet des marches, démarches FRAC PACA, Mouans-Sartoux, France
Fresh Winds Art Biennale 6, Gardur, Sandgerdi, Iceland
Dans la gueule de l’espace, Galerie Martagon, projet des marches, démarches FRAC PACA, Malaucène, France
2018
Nouvelles acquisitions, Arthothèque, Miramas, France
Tous à la plage!, Fermé le lundi, Marseille, France
Nuits Photographiques de Pierrevert, Golf du Lubéron, Pierrevert, France
2017
Horizons, Abbaye de La Celle, France
Quartet, Galerie du Canon, Toulon, France
2016
Hazard, Hazard Gallery, Johannesburg, South Africa
Start, Saatchi Gallery, London, Great Britain
Photomed, Maison du Patrimoine, La Cadière d’Azur, France
2015
Crossing Borders, 56° Biennale d’Art de Venise, Palazzo Mora, Italy
Borders, Museum of Contemporary Art of Tamaulipas, Mexico
Nuit(s), Musée de la Photographie André Villers, Mougins, France
2013
Et si ce n’était pas la mélancolie, Musée Géo-Charles, Échirolles, France
Paysages, Château de Tanlay, France
Mer & ciel, Musée d’Art, Toulon, France
2011
Élévations, Galerie DNR, L’Isle-sur-la-Sorgues, France
Parcours photographiques, Théâtre de la Photographie et de l’Image, Nice, France
Regard sur la collection, Hôtel des Arts, Toulon, France
2010
BNF, acquisitions récentes, Musée départemental Arles Antique, RIP Arles, France

AUSGEWÄHLTE PROJEKTBEZOGENE WANDERUNGEN

2021
Marche hivernale dans la fôret primaire, Madère, Portugal
Marche hivernale dans les massifs de la Sainte-Baume et Sainte-Victoire
Traversée estivale des Alpes
2020
Marche hivernale. Fresh Winds Biennale Festival, Islande
Marche hivernale au Cap-Vert
Marche d’hivers et printemps dans les massifs des Écrins, Oisans et Dévoluy
Marche estivale en Savoie
2019 – 2015
Marche hivernale dans les forêts primaires. Iles de Tenerife, la Gomera et Madère, Espagne, Portugal
Marche automnale dans les forêts primaires, iles de Madère et Açores, Portugal
Marche hivernale sur le territoire du Cradle of Humankind, Afrique du Sud
Marche hivernale dans la Death Valley et Mojave Desert, USA
Marche hivernale dans les îles de Malte et Gozo, Malte
Marche hivernale au Svalbard, Norvège
Marche hivernale au Groenland
Marche hivernale en Islande
Marche d’hivers, printemps dans les Alpes du Sud
Marche hivernale dans les Massifs du Vercors, Oisans et Belledonne
Marche hivernale sur le territoire des Causses du Larzac, Méjean, Noir
Marche hivernale dans les massifs du Mercantour et des Écrins
Marche estivale dans les Alpes du Nord
Traversée de printemps sur l’océan Atlantique
Traversée estivale sur la mer Égée
2014 – 2004
Marche de printemps et d’été au Ladakh, Changtang, Zanskar et Paldar, Inde
Marche hivernale dans les massifs du Khumbu, Annapurna et Mustang, Népal
Marche estivale sur les hauts plateaux du Rupshu et Changtang, Tibet et Inde
Marche hivernale sur le territoire du Cradle of Humankind, Afrique du Sud
Marche estivale dans la Sierra Nevada de Mérida, Venezuela
Marche hivernale sur l’Etna, Italie
Marche automnale et hivernale sur la montagne de Lure
Marche automnale et hivernale dans les Alpes du Sud et du Nord
Marche hivernale sur les massifs de la Sainte-Victoire, Sainte-Baume et Alpilles

Sur le web