Künstlerischer Ansatz
Seit etwa fünfzehn Jahren forscht Xavier Zimmermann mit dem Schwerpunkt auf Landschaft.
2004 schafft er Paysages français. Jede Fotografie dieser Serie ist nach demselben Schema aufgebaut: eine „Zunge" aus Erde und Wald, die von einem riesigen Himmel beherrscht wird, der drei Viertel des Bildes einnimmt. Die Fotografien von Xavier Zimmermann sind kein Zufallsergebnis. Wie ein Maler nimmt er sich die Zeit, die Orte zu erkunden, um dann mit großer Genauigkeit jede seiner Aufnahmen zu entwickeln. Der Fotograf als Landvermesser erforscht die normale Realität dieser Landschaften und verwandelt sie durch das Bild.
Der Künstler zeigt in Chaumont Paysages ordinaires und Canopée, ein für die Domaine Chaumont-sur-Loire geschaffenes Werk.
Paysages ordinaires
„Xavier Zimmermann spielt mit einer geringen Tiefenschärfe, um die Ebenen im Bild zu zeigen: im Vorder- und Hintergrund verschwommene Bereiche, dazwischen eine klare Zone. So erhält er ein verschwommenes Bild, in dem Fragmente auftauchen, die durch ihre Klarheit den Blick auf sich ziehen. Das sind paysages ordinaires - normale Landschaften... Und dennoch überschreiten sie die Grenze der Erinnerung, des Gesamteindrucks, indem sie ein Element des Ganzen hervorheben und uns verpflichten, es in seiner ganzen Präzision zu betrachten. Auf diese Weise macht Zimmermann das sichtbar, was im Allgemeinen in der Masse verloren geht, wie auf einigen Fotografien, wo er das herausstellt, was tief am Boden ist, indem er die majestätische Krümmung eines Grashalms oder die Leichtigkeit eines am Boden liegenden Blatts hervorhebt. Durch den Einsatz verschwommener Zonen bewirkt er außerdem die Emotion und sogar Empfindsamkeit in diesen Landschaften, als ob der Blick sich plötzlich getrübt hätte. Und aus diesem Kontrast zwischen Verschwommenen und Klarem entsteht eine Spannung, eine Fragestellung über den Blick und den Bau der gesehenen Sache wie sie sich auf der Fotografie darstellt… Seine Arbeit über die Ausgewogenheit der Formen ähnelt dem Vorgehen eines Malers”. Marie-Jeanne Caprasse
Canopée
„Die Canopée (Baumkrone) ist die oberste Stufe des Waldes und wird direkt vom Sonnenlicht beeinflusst. Sie wird als eigenständiges Habitat oder Ökosystem angesehen. Sie bildet eine einige Meter starke Schicht, in der sich 80 % des Laubs der Bäume befinden. Hier wird die meiste Sonnenenergie aufgenommen. Meine Arbeit über die Landschaft fragt nach der Art, wie wir sie sehen, und der Weise, wie wir sie erfassen. Am frühen Morgen zeigt sich der obere Teil der Bäume, den man mit einer Gondel bis auf 27 Meter erklimmen kann, wie verzaubert, jedes kleinste Detail wird wahrnehmbar. Jeder vom Boden aus nicht auszumachende Zweig zeigt sich unseren Blicken. In die Baumkronen zu steigen ist so, als erkunde man den Meeresboden. Man sieht, was vom Boden aus nicht zu sehen ist, berührt das Unerreichbare. So enthüllt sich uns die Kraft der Natur und ihre Zerbrechlichkeit”. Xavier Zimmermann
BIOGRAFISCHE ANGABEN
Xavier ZIMMERMANN
FRANKREICH
Xavier Zimmermann au Domaine de Chaumont-sur-Loire, 2015 - © Éric Sander
Xavier Zimmermann wurde 1966 in Paris geboren. Er lebt und arbeitet in Créteil.
1993 bis 1994 war er Pensionär der Villa Medici in Rom. Xavier Zimmermann beteiligt sich seit 1991 an zahlreichen Einzelausstellungen.
Er unterrichtet seit 1995 an der EESI Angoulême Poitiers (École européenne supérieure de l’image).