Künstlerischer Ansatz
Die Werke, die in Chaumont-sur-Loire zeigt, sind mit dem Verhältnis des Künstlers zur Vorstellung von Natur verknüpft.
Die Metapher des Baums mit seinen Wachstumsringen, seiner Rinde und Statur setzte sich ab 2003 in seinen ersten Skulpturen durch, die er für das Monument des Fusillés de la Nivelle (Denkmal der Erschossenen der Nivelle) in Amilly (Loiret) errichtete: Körper des Baums, Körper des Menschen, konzentrische, aus demselben Polystyrolblock geschnittene Säulen, die dann in Eisen gegossen und mit dem Alter der Widerstandskämpfer assoziiert werden, unterbrochene Säulenstümpfe.
Dieser Übergang der lebendigen Form, die zu einer materiellen Form erdacht wurde, war seitdem stets sowohl in seinen „stehenden“ als auch in den „liegenden“ Skulpturen zu sehen, bis um 2010 Holz in seinen Assemblages auftauchte: „Compagnons“, ein neben einer Aluminiumsäule aufgestellter Birnbaumstamm, gleichsam zwei archaische Torsi, dann „Coupe“: zwei wuchtige Zwillingssäulen, bei denen sich Holz und Metall abwechseln. Erst kürzlich brachte ihn mit der Rückkehr zu kleinen direkt mit Wachs gegossenen Bronzeskulpturen der Einschluss kleiner Eschenzweige im Wachs wieder zur Form des Geflechts, der Arabeske, der offenen Form zurück, wobei er aber trotz der Literalität des Materials Abstraktion und nicht Naturalismus anstrebt.
„Die Begegnung mit der Pietà von Nouans-les-Fontaines von Jean Fouquet, einem der schönsten Gemälde der Renaissance, nicht weit von Chaumont-sur-Loire, hat mich zu diesen Gedanken über zeitlose Dinge zurückgebracht: Der Prunk der großen, bunten Kleidungsmassen, die die große hölzerne Bildtafel strukturieren, das Spiel der unbewegten, nach innen gerichteten Gesichter, die um eine zerbrochene Form gedrängte Komposition, die Keuschheit eines Nackten… Und in der linken unteren Ecke ganz am Boden wie die drei Nägel eine Krone aus festen, gedrehten Zweigen. Meine Emotionen angesichts dieses Gemäldes inspirierten mich, sie in einer Skulptur in einer Präsentation von zwei Werken im durchaus zeitgenössischen Rahmen von Chaumont darzustellen“.
Im Hof der Stallungen zeigt der Künstler in der Mitte des Vordachs als Pendant zu jener, von Jean Fouquet entworfenen Krone der Renaissance ein in Bronze gegossenes großes Objekt aus geflochtenem Holz und Wachs. Eine Form in Augenhöhe, von der man zunächst nur eine Linie sieht, bevor man näher herangeht und ihre Ringförmigkeit entdeckt: Es handelt sich um eine Krone.
BIOGRAFISCHE ANGABEN
Vincent BARRÉ
FRANKREICH
Vincent Barré, geboren 1948 in Vierzon in Frankreich, studierte an der Nationale Schule der Schönen Künste von Paris. Als Student des großen Architekten Louis Kahn hat er außerdem in Städtebau promoviert und besitzt ein Architektendiplom. Er lehrte bis 2011 an der Nationale Schule der Schönen Künste von Paris. Er lebt und arbeitet zwischen Saint-Firmin des Bois (Loiret) und Paris.