Künstlerischer Ansatz
Durch eine subtile Mischung aus existenziellen Fragen und wissenschaftlichen Diskussionen, der Macht des Heiligen und Herausforderungen der zeitgenössischen Gesellschaft lädt Prune Nourry mit einem humanistischen Ansatz dazu ein, doch einfach einmal über unser gemeinsames Werden nachzudenken. Die Arbeit von Prune Nourry ist eine Kombination aus Skulptur, Installation, Performance und Video. Die Künstlerin arbeitet mit Handwerkern zusammen, bearbeitet verschiedene Materialien und probiert neue Techniken aus. Die Werke, die sie produziert, sind hauptsächlich große, ortsspezifisch angefertigte Körper, die sie zerstört, vergräbt oder in durch Fotografie und Video dokumentierten Riten in Szene setzt.
Auf der Domaine von Chaumont-sur-Loire zeigt sie zwei Bronzeskulpturen, die sie 2021 für das barocke Opernballett Atys von Jean-Baptiste Lully (1676) unter der choreografischen Leitung von Angelin Preljocaj anfertigte. Attis, eine mythologische Gestalt, deren Leben in Den Metamorphosen von Ovid erzählt wurde, wird in eine Pinie verwandelt, weil er die Liebe der Göttin Kybele verschmäht. Das Duo greift den Schlüsselmoment der Vorstellung auf, als die Figur zu einem Baum wird, und veranschaulicht dabei in hervorragender Weise das Konzept der Hybridisierung, das der Künstlerin am Herzen liegt.
Doch die Frau, die mit Symbolen, Schlüsselwörtern und Assoziationen spielt, lässt es sich nehmen, Verbindungen herzustellen. Prune Nourry sieht nichts Unglaubliches darin, in einem Atemzug das Material Seil (corde), die Stimmbänder (cordes vocales) und die Stringtheorie (théorie des cordes) zusammenzuführen, um eine Welt zu kreieren, die komplett in Schwingungen versetzt wird. Im Historischen Park scheinen die anthropomorphen Bäume zu tanzen und zu spielen wie auf einer Bühne. „Wir alle sind vibrierende Instrumente, man muss nur zuhören“, so das Schlusswort der Künstlerin.
BIOGRAPHISCHE ANGABEN
Prune Nourry, die an der École Boulle Holzschnitzerei studierte (Abschluss 2006), lebt in New York und Paris. Ihre Arbeit lebt von einem regen Austausch mit Wissenschaftlern und von Reisen, die die Umsetzung ihrer Ideen begünstigen. Ihre Vorgehensweise entfaltet sich durch Projekte in unterschiedlichen geografischen Regionen und Bereichen. Ende 2022 entsteht ein umfangreiches Skulpturenprojekt, das in Zusammenarbeit mit den Familien der Mädchen von Chibok und der Universität Obafemi-Awolowo in Ile-Ife in Nigeria durchgeführt wurde. Mit dem Titel Statues Also Breathe umfasst es eine Reihe aus 108 Tonköpfen, die nach dem Bild der Schülerinnen geformt wurden und von den früheren Köpfen von Ife inspiriert sind, außerdem einen Dokumentarfilm und einen Podcast, mit dem Ziel, auf die dramatische Situation der Verschwundenen aufmerksam zu machen und zugleich den Kampf, der in aller Welt für die Bildung von Frauen geführt wird, in den Fokus zu rücken.
Prune Nourry wird von der Galerie Templon (Paris, Brüssel) und Simon Studer Art in der Schweiz vertreten.