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Kunstsaison 2021

Paul Rebeyrolle

"Paysages"
Le Château

Künstlerischer Ansatz

Schon sehr früh, im Alter von fünf Jahren, war er in seinem Körper gefangen, denn eine Knochentuberkulose
zwang ihn bis zu seinem zehnten Lebensjahr zur Unbeweglichkeit – doch wahrscheinlich steckt im Werk des 1926 geborenen Künstlers Paul Rebeyrolle zum Teil gerade deshalb ein frappierender Lebensdrang. Tatsächlich bringen seine Gemälden und Skulpturen eine unbändige Energie hervor. Im Übrigen betonte der Künstler immer, er liebe das Leben schon jeden Morgen beim Aufstehen und freue sich darauf, sich schnell auf den Weg in sein Atelier zu machen, um sich seinen schöpferischen Tätigkeiten hinzugeben.

Die Jahre seiner Genesung in seiner Geburtsregion, dem Limousin, sind für ihn auch Jahre des Lernens. Eingegipst malt und zeichnet er unablässig. Der Mann ist ebenso lebendig wie seine Kunst, die mit ihm wächst. Nostalgie und kindliche Träumerei haben keinen Platz in seinem Werk, das fest im jeweiligen Zeitgeschehen verankert ist. Zahlreiche Bilderreihen säumen deshalb die 57 Jahre seines Wirkens von 1948 bis 2005. Mehr noch als von Aktualität seiner Malerei spricht Stéphane Vacquier sogar von Exaktheit, so sehr reflektieren sich in ihr die Belange seiner Zeit und eine Art kompromissloser Scharfsinn.

Im Alter von 18 Jahren weiß er bereits, dass er Maler ist, und lässt sich in Paris nieder, um auf Streifzügen durch Museen und Ausstellungen seine künstlerische Entdeckungslust auszuleben. Dennoch bewahrt er sich seine Leidenschaft für die Natur und das starke Gefühl, dass die Eroberung der Freiheit eine absolute Notwendigkeit ist.
Sein Engagement kommt in gegenständlichen, oftmals monumentalen Gemälden zum Ausdruck. Seine Malerei wird physisch, ein Akt des Aufbegehrens gegen die menschliche Dummheit. Mit einer Tendenz zur Skulptur spielt das Material hier eine immer wichtigere Rolle. In seiner Reihe Grands paysages zeigt er Quellen, Wasserfälle und Felsen in verschiedenen Formen. Diese Bilder, die aus dem Jahr 1978 stammen, wirken wie eine vorzeitige Darstellung der Satellitenbilder, die wir heute virtuell überblicken können.
 

1995 eröffnet er den Espace Paul Rebeyrolle in seinem Heimatort Eymoutiers. Dieses untypische Kunstzentrum, das mit dem Architekten Olivier Chaslin entworfen wurde, versteht er, der mit Georges Guingouin befreundet war, als einen Ort des kulturellen Widerstands, als „Bastion“. Hier wird dauerhaft sein Werk Le Cyclope ausgestellt, eine Hommage an den Résistance-Kämpfer. Neben seiner eigenen Sammlung soll der Ort auch offen für temporäre Ausstellungen anderer Künstler sein, weitab von der kommerziellen Vermarktung von Kunst.

2005 malt er seine letzten Bilder mit den vielsagenden Titeln: Le Néant („Das Nichts“) 1, 2 und 3. Das letzte davon entstand im Februar. Am 7. stirbt er... Bis zum Ende also mischt dieser außergewöhnliche Künstler Leben und Werk, er arbeitete und atmete in einem Zug.

BIOGRAPHISCHE ANGABEN

Paul REBEYROLLE
FRANKREICH
 

Paul Rebeyrolle wird 1926 in Eymoutiers (Haute-Vienne) geboren. 1931 erkrankt er an Knochentuberkulose und liegt daraufhin fünf Jahre lang in Gips. Später studiert er in Limoges. Mit 18 Jahren begibt er sich nach Paris, wo er seine Kenntnisse der Malerei vertieft. Er lässt sich in der Künstlerkolonie La Ruche nieder und lernt Madeleine Tellikdjian kennen, die den Spitznamen Papou trägt und die er 1967 heiratet. Von 1947 bis 1949 nimmt er am Manifeste de l‘Homme-Témoin teil, das eine Rückkehr zum Realismus anpreist. Schnell gilt er als Anführer der jungen gegenständlichen Malerei, will jedoch keiner Strömung angehören und geht so oft wie möglich auf Reisen.

1953 tritt er der Kommunistischen Partei bei. Er tritt wieder aus, als 1956 die UdSSR in Ungarn einfällt, und malt zu diesem Anlass ein Bild mit dem Titel À bientôt j’espère („Bis bald, hoffe ich“).

1959 ist er 33 Jahre alt, als er den Ersten Preis der ersten Biennale von Paris verliehen bekommen, für ein 4,20 x 18 m großes Monumentalgemälde, Planchemouton. Diese Auftragsarbeit ist für die Treppe des Palais des Beaux-Arts bestimmt.

1963 verlässt er Paris und zieht mit Papou ins Département Aube. Seine erste Ausstellung, die in der Galerie Maeght in Paris stattfindet, ist eine Bilderreihe über „Die Arbeitsgeräte des Malers“ (Les Instruments du peintre), die dem Material eine besondere Rolle zukommen lässt. Als er unter hundert Künstlern der Gruppe Salon de Mai nach Kuba eingeladen wird, beteiligt er sich an der Ausarbeitung einer 55 m2 großen Wandmalerei. Auch fertigt er die Werke Le Sol de Cuba I und II an, die die Reihe Guérilleros einläuten.

Ab 1968 beginnt er einen Zyklus aus sogenannten „politischen“ Reihen. Den Kalten Krieg behandelt er in seiner Reihe Coexistences (1970), zu deren Katalog Jean-Paul Sartre das Vorwort schrieb. Drei Jahre später stellt er die Reihe Les Prisonniers aus, diesmal mit einem Vorwort von Michel Foucault im Katalog. Danach wartet er mit den Reihen Faillite de la science bourgeoise, Natures mortes et pouvoir und Grands Paysages auf.

1979 ist er einer der wenigen lebenden Künstler, denen in den Nationalgalerien des Grand Palais eine Retrospektive gewidmet wird. Vor ihm reihten sich hier Picasso, Chagall, Hélion, Beaudin, Bacon, Dubuffet, Miró und Ernstet Tal-Coat.

1982 vollendet er die Reihe Les Évasions manquées, die nicht weniger als 60 Bilder umfasst. Darauf folgen die Reihen On dit qu’ils ont la rage (1984), Germinal (1986), Au Royaume des aveugles (1987), Les Grandes têtes (1989), Les Panthéons (1990) und Splendeur de la vérité (1993).

1995 erklärt er sich auf Anfrage des Bürgermeisters von Eymoutiers bereit, den Espace Paul Rebeyrolle zu eröffnen, unter der Bedingung, dass dieser Ort seinem Wesen entsprechen möge und kein starres Museum werde, sondern ein offener, in die Landschaft integrierter Raum, am Rande der Kunstpfade. 2002 kreiert er hier einen Skulpturengarten.

2003 vollendet er seine Reihe Clones, die sich mit den Ausartungen der Wissenschaft befasst. Neunzehn dieser Gemälde werden in der Galerie Claude Bernard gezeigt.

Am 7. Februar 2005 verstirbt er im Alter von 78 Jahren, nachdem er seine letzten Bilder Le Néant 1, 2 und 3 signiert hat.

HAUPT-EINZELAUSSTELLUNGEN

2015
Rebeyrolle vivant ! 60 ans d’une œuvre essentielle, Espace Paul Rebeyrolle, Eymoutiers, France
 
2012
Domaine national de Chambord, France
 
2011
Fondation Salomon, Alex, France
 
2005
Espace d’art Fernet Branca, Saint Louis, France
Plongeons dans la peinture, Espace Paul Rebeyrolle, Eymoutiers, France
 
2004
Clones, Galerie Claude Bernard, Paris, France
 
2000
Rebeyrolle, Fondation Maeght, Saint-Paul-de-Vence, France
 
1999
FIAC (Galerie Jeanne Bucher), Paris, France
Galerie Jeanne Bucher, Paris, France
 
1998
Musée Arthur-Rimbaud, Charleville-Mézières, France
 
1994
Le Bestiaire, Galerie Larock-Granoff, Paris, France
Musée Courbet, Ornans, France
Splendeur de la vérité, Galerie Daniel Templon, Paris, France
 
1993
Philippe Griet Gallery, New York, USA
 
1992
Les Panthéons, Galerie Daniel Templon, Paris, France
Galerie Lelong, Paris, France
 
1991
Office départemental de la culture, Aix-en-Provence, France
 
1990
Galerie Adrien Maeght, Paris, France
Grandes Têtes, Musée d'art moderne, Troyes, France
 
1989
Matière et existence, Centre culturel Saint-Benin, Aosta, Italy
 
1988
École Nationale Supérieure des Beaux-Arts, Paris, France
Galerie Lelong (sculptures), Paris, France
 
1986
Musée d'art moderne, Céret, France
 
1985
Galerie Pierre Hubert, Geneva, Switzerland
 
1984
31ème Festival de Bellac, France
 
1983
Galerie Maeght-Lelong, Paris, France
Rebeyrolle Gernikan, Guernica, Spain
 
1982
Les Évasions manquées, Hospice Saint-Louis, Avignon, France
FIAC (Galerie Maeght-Lelong), Paris, France
Galerie d'art contemporain, Limoges, France
 
1979
Première rétrospective, Galeries nationales du Grand Palais, Paris, France
 
1978
Foire de Bâle (Galerie Maeght, Paris, France), Switzerland
 
1976
Natures mortes et pouvoir, Galerie Maeght, Paris, France
 
1973
Galerie Maeght, Zurich, Switzerland
Les Prisonniers, Galerie Maeght, Paris, France
 
1972
Studio Marconi, Milan, Italy
 
1971
Fondation Maeght, Saint-Paul-de-Vence, France
 
1970
Coexistences, Galerie Maeght, Paris, France
 
1969
Guérilleros, Galerie Maeght, Paris, France
 
1967
Les instruments du peintre, Galerie Maeght, Paris, France
 
1964
Galerie André Schoeller, Paris, France
Malborough-Gerson Gallery, New York, USA
 
1962
Galerie André Schoeller, Paris, France
 
1961
Malborough Gallery, Paris, France
 
1959
Galerie Creuzevault, Paris, France
 
1958
La pluie et le beau temps, Galerie Saint-Germain, Paris, France
 
1956
Maison de la Pensée Française, Paris, France
 
1954
Malborough Gallery, Paris, France
 
1951
Galerie Drouant-David, Paris, France

HAUPT-GRUPPENAUSSTELLUNGEN

1993
Manifeste II, Musée national d'Art moderne, Paris, France
 
1990
Fondation temporaire Daniel Templon, Fréjus, France
 
1987
Villa Médicis (Académie de France), Rome, Italy
 
1971
Galerie Maeght, Paris, France
 
1966
Galerie Schoeller, Paris, France
 
1962
Salon de Mai, Paris, France
Nitta Gallery, Tokyo, Japan
 
1959
John Moores Exhibition, Liverpool, United Kingdom
Biennale de Paris, France
 
1958
Documenta II, Kassel, Germany
 
1957
Salon de Mai, Paris, France
Biennale de São Paulo, Brazil
 
1956
Galerie Charpentier, Paris, France
 
1954
Salon de la Jeune Peinture, Paris, France
 
1952
Venice Biennale, Italie
 
1950
Galerie Drouant-David, Paris, France
 
1949
Exposition Art Mural, Avignon, France
 
1948
Salon des Indépendants, Paris, France
 
1945
Galerie du bac, Paris, France