Démarche artistique
Spiritualität, Erinnerung und Sinn stehen im Mittelpunkt des mysteriösen und zugleich tiefsinnigen Werks von Pascal Convert. Seine Arbeit befasst sich im Wesentlichen mit der Spur des Vergangenen und der Verweigerung des Vergessens. Er unterhält besondere Verbindungen mit allem Verschwundenen, seien es Gegenstände oder Lebewesen, und verwendet häufig das Verfahren der Kristallisierung. Dabei gießt er über Gegenstände wie Bücher oder Skulpturen schmelzflüssiges Glas, das das Buchmaterial oder das Holz der Skulpturen nach und nach angreift. Dieses faszinierende Transsubstantiationsverfahren ähnelt einer besonderen Alchemie, durch die die Seele der Texte erhalten bleibt.
Die
Cristallisation au livre perdu
besteht darin, ein Buch und seinen Inhalt durch schmelzflüssiges Glas zu zerstören, das nach und nach an die Stelle des Buches tritt. Daraus entsteht ein geisterhaftes Objekt, ein kristallisiertes Werk, das zu Glas verschmolzene Erinnerungen in sich trägt. Die verkohlten Überreste des ursprünglichen Buches bleiben im Herzen der Skulptur erhalten und erinnern an die unzähligen Bücher, die seit der Antike von totalitären Mächten verbrannt wurden. Passend dazu sind die vom Feuer kristallisierten Bücher Pascal Converts in der 1957 von einem Brand zerstörten Broglie-Bibliothek des Schlosses Chaumont-sur-Loire zu sehen, sozusagen als gerechte Wiederkehr der verbrannten Werke.
VESTIGIUM
„Kaum neigt sich der Tag seinem Ende zu, schreitet die Nacht im Schloss Chaumont-sur-Loire eilig voran. Das Abendlicht senkt sich hier schneller als anderswo, die hohen Bäume des Parks verdecken die Abendsonne, deren letzte Strahlen ruinenhaft durch die Buntglasfenster strömen und die Bücher der Bibliothek ein letztes Mal rot färben.
Langsam stirbt das Licht. Dann werden die Türen geschlossen und die großen Kerzenleuchter auf den riesigen Esstisch gestellt, dessen weiße Tischdecke, die ihn früher wie eine Braut kleidete, nun durch einen schwarzen Spiegel verdeckt ist.
Die Kandelaber aus makellosem weißem Gips fürchten den langsamen Tod der Wachskerzen nicht, die sich unter dem Schmerz der Flamme biegen.
Mondgestalten, die sich nach unten und oben krümmen, wie Gerippe zwischen Sein und Nichtsein... Überbleibsel vergangener Zeiten, die für ein Nachtmahl zurückgekehrt sind, über das nichts mehr bekannt ist, außer dass es stattgefunden hat.
Die einzigen Überreste dieses Festes oder Dramas drehen sich in der weißen, einsamen Unvollkommenheit aller Gipsobjekte. Als reale Gegenwart abwesender Gegenstände, zu deren bewohnten Abbildern sie geworden sind, bilden sie einen wechselnden Reigen, in dem weder Nacht noch Tag mehr existieren.
Die Stimmen werden leiser, Arme verschränken sich, als wollten sie Abstand gewinnen, Hände berühren sich. Alle achten auf das kristallklar gewordene Licht. Die unsterblich gewordenen Kerzenleuchter tragen etwas Unsichtbares in sich: die Abwesenheit.
In dieser Atmosphäre der Trauer wandelt die Vorstellungskraft durch die Überreste eines Lebens, das in weite Ferne gerückt ist. Ich sehe euch noch, ich höre euer wunderliches Lachen und eure wütenden Tränen... Eines Tages haben wir an das Glück geglaubt, fern von der dunklen Nacht der Ausgangssperren.“ Pascal Convert
BIOGRAPHISCHE ANGABEN
Pascal CONVERT
FRANKREICH

Als Sohn eines Künstlers wird Pascal Convert 1957 in Mont-de Marsan geboren. Er ist zugleich plastischer Künstler, Schriftsteller und Regisseur und bezeichnet seine Arbeit als Archäologie der Architektur, der Kindheit, der Geschichte, des Körpers und der Zeiten. Er greift auf Materialien wie Glas und Wachs zurück, die ans Verrinnen der Zeit, an Licht und an die fortbestehenden Eindrücke der Vergangenheit erinnern. 1987, als er gerade in Bordeaux lebt, bedeckt er die Holztafeln eines Raumes in seiner Wohnung mit Glasplatten und beginnt damit seine Reihe Appartement de l’artiste. 1989 und 1990 residiert er in der Villa Medici in Rom. Im Jahr 1992 hat er seine erste bedeutsame Einzelausstellung im CAPC in Bordeaux.
1997 wird er vom Philosophen und Kunsthistoriker Georges Didi-Huberman eingeladen, an der Ausstellung L’Empreinte im Centre Pompidou an der Seite von Künstlern wie Giuseppe Penone, Man Ray und Alain Fleischer teilzunehmen. Georges Didi-Huberman widmet ihm mehrere Werke bei den Éditions de Minuit und beteiligt ihn an zahlreichen Ausstellungen. Trois arbres. Durch seine Arbeit rund um Birkenrinden aus dem Krematorium V von Auschwitz-Birkenau, um einen verstrahlten Kirschbaum aus Hiroshima und steinerne Bäume des Lebens der armenischen „Chatschkar“ versucht sich Pascal Convert mittels einer familiären, kulturellen und historischen Archäologie vorzustellen, was in unserer jüngsten Geschichte Zerstörung überlebt hat.
2001 präsentiert der Künstler zum zweihundertsten Todestag von Kaiser Napoleon I. Memento Marengo . Herodot erwähnte bereits in der Antike gemeinsame Bestattungen von Reitern mit ihren Pferden, und in einigen Teilen Asiens bestand bis ins 20. Jahrhundert ein ähnlicher Brauch, bei dem verstorbene Reiter von ihren Pferden begleitet wurden. Pascal Converts Werk erneuert diesen antiken Ritus und lässt das photogrammetrisch rekonstituierte Originalskelett von Marengo (Napoleons Pferd) unter der Kuppel des Invalidendoms schweben, wodurch ein zeitgenössisches
En 2007, Lamento au Mudam (Luxembourg) présente des sculptures de cire inspirées de photos de presse emblématiques : La Pietà du Kosovo (1999-2000), d’après une photo de Georges Mérillon, La Madone de Bentalha (2001-2002), d’après une photo d’Hocine Zaourar, et La Mort de Mohamed Al Dura (2002-2003), d’après des captures d’écran de vidéo de Talal Abou Rahmed. Ces pièces sont largement exposées aux Nations Unis, à Montréal, en Suisse et en Italie. La même année, il publie une biographie de Joseph Epstein, chef de file de la résistance communiste à Paris, fusillé au Mont Valérien en 1944.
En 2008, Pascal Convert termine un ensemble de vitraux pour l’abbatiale de Saint-Gildas-des-Bois (Loire-Atlantique). L’année suivante, il expose une monumentale sculpture de cristal, Le Temps scellé : Joseph Epstein et son fils, à l’occasion de la Force de l’Art au Grand Palais (Paris). Après quatre ans de travail, il publie Raymond Aubrac : résister, reconstruire, transmettre (Seuil, 2011), et consacre au résistant deux documentaires. Deux ans plus tard paraît le récit autobiographique La Constellation du Lion (Grasset). En 2014, l’artiste est invité à la Biennale de Busan, en Corée du Sud, et à l’exposition collective La Guerre qui vient n’est pas la première : 1914-2014 au Musée d’art moderne et contemporain de Trente et Roverento, en Italie.
L’année 2016 est principalement marquée par une invitation de l’ambassade de France en Afghanistan à commémorer le 15ème anniversaire de la destruction des Bouddhas de Bâmiyân par les talibans. Pascal Convert monte une mission en partenariat avec la société ICONEM, spécialisée dans l’archéologie des zones de conflit. Avec des drones, il scanne la totalité de la falaise de Bâmiyân, et laisse les images en libre accès à la communauté scientifique mondiale. Avec un appareil de haute précision, il fait une “empreinte photographique” du lieu où les statues monumentales ont été sculptées il y a environ 1 600 ans.
En 2019, la Galerie Éric Dupont lui consacre une exposition personnelle, memento morientsteht.
Im vergangenen Jahr schafft der Künstler auf Einladung von Voyage à Nantes das dauerhafte Werk Memento Marengo. Dans l’Antiquité, Hérodote évoquait l’enterrement des cavaliers avec leur monture, tandis que dans certaines régions d’Asie, une coutume similaire perdurait jusqu’au XXe siècle, avec des tombes où le cavalier défunt était escorté de chevaux suspendus. L’œuvre de Pascal Convert renouvelle le rite antique et fait planer le squelette de Marengo – à partir d’une captation photogrammétrique du squelette original – sous le dôme des Invalides, réalisant ainsi un memento mori contemporain.
L’an dernier, sur l’invitation du Voyage à Nantes, l’artiste conçoit une œuvre pérenne, Miroirs des tempsauf dem Friedhof Miséricorde, auf dem die Verstorbenen bedeutender Familien der Region bestattet sind. Im ältesten, besonders dicht bewachsenen Teil der Nekropole sind mehrere Basreliefs aus Glas zu sehen, die in Zusammenarbeit mit dem Glaskünstler Olivier Juteau entstanden sind. Jedes der gespenstisch anmutenden Tiere verfolgt den Besucher in stummer Beharrlichkeit mit seinem bewegenden Blick.
PASCAL CONVERT. "VESTIGIUM".