Künstlerischer Ansatz
Die fotografische Arbeit von Naoya Hatakeyama ist eine ständige, strenge Untersuchung der konfliktreichen Beziehungen zwischen Mensch und Natur.
Mit einer breiten Themenspanne widmet er seine ersten Serien den Kalksteinbrüchen (Lime Hills, Japan, 1986-1991). In Underground (1999) erkundet er die unterirdischen städtischen Kanäle von Tokio. Etwa zehn Jahre später kommt er wieder zu seinem bevorzugten Thema zurück, indem er die Kalksteinbrüche im Untergrund von Paris fotografiert (Ciel Tombé, 2007)… Es folgt Blast, eine 1995 begonnene Bildserie, eine spektakuläre Reportage über die Sprengungen in Übertage-Steinbrüchen … Da er von der durch Industrie bedingten Umwandlungen sehr betroffen ist, wird er eingeladen, im Winter 2003 die Kohlebergwerke und Industriebrachen im Rheinland zu fotografieren. Er macht beeindruckende Bilder der Zeche in Westfalen (Zeche Westfalen I/II Ahlen, 2003-2004). Aufgegebene industrielle Anlagen, gesprengte Fabriken … Seine großformatigen Farbbilder begleiten und verwandeln die Landschaft. 2009-2010 fotografiert er die Halden, künstliche Berge aus Schutt im nordfranzösischen Kohlerevier Nord Pas-de-Calais.
2011 wird sein Werk persönlicher. Nach dem Erdbeben und dem Tsunami an der Pazifikküste von Tohoku am 11. März 2011 fotografiert er die Ruinen seiner Geburtsstadt Rikuzentakata, die von der Katastrophe verwüstet wurde. Sein 2013 erschienenes Buch Kensegawa zeigt ein Porträt dieser zerstörten Gegend. Den quälenden Bildern, Bildern des Chaos stellt er andere, einige Jahre zuvor zwischen 2002 und 2010 gemachte Aufnahmen gegenüber, als die Stadt voller Leben war … Für Naoya Hatakeyama ist das Bild eine Stütze der Erinnerung. Es konzentriert die letzten Spuren einer längst vergangenen Zeit.
Die in Chaumont-sur-Loire gezeigten Serien besitzen die Magie des gefährlichen Spiels des Menschen mit der Natur, wobei er die tragischen Folgen seiner stets wiederkehrenden Zerstörungen vergisst. Seine faszinierenden Bilder von mehr als ernster Schönheit fangen den Blick mit Szenen ein, die sonst nicht die Aufmerksamkeit erregen können, und wecken dann ein Gefühl für Umweltbewusstsein.
BIOGRAFISCHE ANGABEN
Naoya Hatakeyama au Domaine de Chaumont-sur-Loire, 2015 -© Éric Sander