Die Fotografin und bildende Künstlerin Luzia Simons bearbeitet das Thema Pflanzen seit vielen Jahren. Ihre Stillleben mit Blumen, die sie gern im Großformat entwickelt, entstehen aus einer Scan-Technik heraus, die sie entwickelt hat und kontinuierlich perfektioniert, als würde sie immer intensiver in die Materie der Blumen eintauchen, ihr Innerstes zu berühren versuchen wollen.
Die Übertragung eines Bildes von Luzia Simons auf einen Wandteppich lag auf der Hand. Der Bezug ist offensichtlich zum sogenannten „Mille fleurs“-Thema, das in Frankreich und den Niederlanden des 15. und 16. Jahrhunderts so weitverbreitet war, dass man einfach versucht war, es zu erforschen. Aber das Aufgeben der Perfektion und der Schärfe des Abzugs für die Ausprägung eines Stoffes mit natürlich edler, aber auch ungewisser Wiedergabe, barg jedoch auch Risiken.
So drängte sich die Arbeit mit der sogenannten Jacquard-Technik auf, und damit Flanders Tapestries, eine renommierte Weberei in Flandern, die heute für viele zeitgenössische Künstler arbeitet, um dem Wandteppich sein nobles Ansehen zurückzugeben. Die Arbeit durchlief dann eine lange Phase der Entwicklung der Farben, des Gleichgewichts aus Punkten und Fäden, denn es geht hier nicht darum, um jeden Preis einem professionellen Abzug gleichzukommen, sondern im Gegenteil darum, das Werk neu aufzulegen, indem es in die Falten und das Lebendige des Stoffes gelegt wird. Mil Flores ist in diesem Sinne ein neuer Schritt im Schaffen der Künstlerin, eine Revolution vielmehr als eine einfache und schöne Evolution. Wie sie selbst sagt, verleiht die Struktur des Wandteppichs dem Bild ein anderes Leben, indem er es aus einer gewissen Reglosigkeit herausholt, von der zeitweise zu erstarrten Wiedergabe der Fotografie, um zu einem durchaus fleischlichen Verbindung zu werden, zu einer Sinnlichkeit, die aus dem Träger entspringt, damit wir tatsächlich mitten in die Materie eintauchen können. Aus dieser zerfallenden pflanzlichen Materie heraus, diesen so schönen und vor unseren Augen welkenden Blumen, bereichert sich der Wandteppich Mil Flores, um uns durch diese so wertvolle Arbeit aus Fäden und Farben besser das Geheimnis dieser lebendigen Natur zu enthüllen, die Luzia Simons erkundet.
Jacquard-Wandteppich
So nennt man Wandteppiche, die mit einer „Jacquard“-Webmaschine hergestellt werden, nach dem französischen Ingenieur benannt, der 1801 das Patent dafür angemeldet hat. Das sind Wandteppiche mit kontinuierlichen Schussfäden. Der Betrieb dieser Maschine wurde im 19. Jahrhundert eingeführt: der konstante Trend der Wandteppiche hatte Forschungsarbeiten zur Folge. Technische Weiterentwicklungen und das Streben der Hersteller, die kostenintensive menschlichen Arbeitskräfte durch die Maschine zu ersetzen; Die Erfindung der Jacquard-Webmaschine erlaubte es damit einigen Herstellern, Stoffe herzustellen, die klassischen Wandteppichen nahekamen. Jacquard stellte in seinem Patent von 1801 klar: „Die Vorgehensweise dieser Maschine, die sich durch Harnische bewegt, ist ein großer Vorteil, denn sie hat mehr Schnelligkeit bei der Arbeit zur Folge“.
Die mit dem maschinellen Jacquard-Verfahren hergestellten Wandteppiche sind an ihrer Vorderseite durch Kettfäden erkennbar, die unter jedem zweiten Schussfaden verlaufen und ihn so sichtbar machen. Es gibt keinerlei „Verbindung“ wie bei Gobelin- oder Beauvais-Teppichen, die unterbrochene Schussfäden aufweisen. Das Gewebe wird aus einem Teil einstückig durch den Schussfaden erzeugt, der von einem Rand zum anderen verläuft und oben durch das Wechselspiel der Kettfäden gehalten wird. Diese Technik ermöglicht weiterhin eine hohe Präzision bei den Motiven und bietet eine sehr breitgefächerte Farbpalette, was dazu beiträgt, dass sie bei zeitgenössischen Künstlern seit einigen Jahren wieder sehr beliebt ist.
Flanders Tapestries
Flanders Tapestries ist eine Weberei mit hoher Qualität in Flandern, eine Region, die seit dem Mittelalter für ihre Wandteppiche bekannt ist. In der mittelalterlichen Zeit wurde der Wandteppich, der zum Bedecken der kalten Wände von Schlössern erfunden wurde und Reichtum und Macht verkörperte, neben Malerei und Bildhauerei zu einer wichtigen Form der bildenden Kunst. Die unserer heutigen Zeit näher stehende Weberei Flanders Tapestries gestaltete ihren ersten Wandteppich vor einem viertel Jahrhundert. Die Manufaktur hat den gesamten Produktionsprozess in Belgien behalten, wodurch sie einen eigenen Stil und eine Kollektion entwerfen konnte, die eine Vielzahl verschiedener Stilrichtungen und Größen bietet. Jede Arbeit ist ein Meisterwerk. Genau wie vor einigen Jahrhunderten erlebt die Nachfrage nach maßgeschneiderten, exklusiven Wandteppichen seit ein paar Jahren einen Aufschwung. Die Weberei arbeitet heute mit zeitgenössischen Künstlern aus aller Welt zusammen, um einzigartige Werke zu schaffen und dieses einmalige Kulturerbe zu bewahren.