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Kunstsaison 2021

Fabien Mérelle

"L’arbre au corps"
Cour de la ferme

Künstlerischer Ansatz

Realismusbesessen, bedacht auf diese bodenlosen Details und extrem penibel hatte ich das spielerische Zeichnen verlernt. Das Zeichnen, mit dem man sich einfach nur die Zeit vertrieb und seinem inneren Antrieb folgte. Das Zeichnen, das mit ein paar Filzstiftstrichen sagte, was wir als Sechsjährige noch nicht mit Worten zum Ausdruck bringen konnten. Ich habe versucht, die durch die Zeit unterbrochene Linie wieder aufzunehmen, ohne sie zu beschmutzen, und den guten Willen des Kindes, das ich war, wieder hervorzuholen. Ich wollte, dass sich Stimmen und Schriften, hoch oder tief, zart oder polternd, mischen. Ich suchte in diesen bunten Relikten nach vielsagenden Leerräumen und fand darin Stille, die nach Fragen gierte. Ich wollte keine Konfrontation, kein Vorher/Nachher. Einen vorgetäuscht kindlichen Stil einzusetzen, wäre genauso fruchtlos gewesen. Ich träumte von einem Kommen und Gehen, von einer gezeichneten Konversation. Nach der Kindheit zu greifen bedeutete, die Büchse der Pandora mit Beklommenheitsgefühlen und Urängsten zu öffnen, es bedeutete, ganz tief in eine Mythologie abzutauchen, die man sich in der Dunkelheit eines Zimmers beim Einschlafen ausmalte. Eine Mythologie, die man versuchte, unter der Behaarung und der Maske der Pubertät und Sonstigem zu verbergen. Da sie jedoch nicht verschwunden ist, hat sie in meine Zeichnungen Einzug gehalten, die seither zum Schauplatz von Konflikten und Wünschen geworden sind, zügellos, nun da das Reelle bezähmt ist.” Fabien Mérelle

„Sorgfältig arbeiten, um das Undenkbare denkbar zu machen“: mit diesen Worten beschreibt Fabien Mérelle seine Art zu zeichnen. An diesen Zeichnungen hält sich der Künstler gerne möglichst lange auf, er fügt immer neue Details hinzu, bis er ein beeindruckendes Niveau an Realismus erreicht hat.
Dabei stellen die Situationen, von denen er erzählt, den Menschen in den Mittelpunkt einer Gedankenwelt, die gerne Träume und Metaphern evoziert: körperliche Veränderungen, das Animalische, Schwindelgefühle, rätselhafte Szenen, die sich fast immer in einem leeren, endlosen Raum abspielen.
 
Die Figur, die mit einem Pyjama bekleidet in seinen Werken auftaucht, ist der Künstler selbst, der auf verschlüsselte Art persönliche Situationen schildert; Bruchstücke einer Familiengeschichte, einer intimen Erzählung, die auch unsere ist. Die allgegenwärtige Leere lässt Raum für den Betrachter, der aufgefordert ist, seine Fantasie einzusetzen und seine eigene Geschichte hineinzuprojizieren.
Wenn die Zeichnung von Fabien Mérelle die Form einer Skulptur annimmt, dann will er damit eine Bindung zum Ausdruck bringen, wie bei den bruchstückhaften Umarmungen, die er 2017 in Hongkong präsentiert, feinfühlige Erzählungen von einem gemeinsamen Moment mit seinem Vater. In seinen Werken sieht man, wie Zerbrechlichkeit und Kraft Hand in Hand gehen, immer mit einer menschlichen Dimension.

BIOGRAPHISCHE ANGABEN

Fabien MÉRELLE
FRANKREICH
 
 

Fabien Mérelle wurde 1981 in Fontenay-aux-Roses bei Paris geboren. Er lebt und arbeitet in Tours und in Paris. 2005 erhält er ein Stipendium, um an der Kunstakademie von Xi‘an in China zu studieren. Er ist bereits ein begeisterter Zeichner und kann bei dieser Reise seine Kenntnisse der Arbeit mit Tusche vertiefen.

2006 schließt er sein Studium an der Kunsthochschule in Paris erfolgreich ab. 2007 wird er Mitglied der Casa Velasquez in Madrid, wo er ein Jahr verweilt. Im Jahr 2008 hat er seine erste Einzelausstellung in der Galerie Premier Regard in Paris. 2010 ist er der erste Preisträger des Prix Canson. Dank der Donation Guerlain wird er 2012 in die Sammlungen des Centre Pompidou aufgenommen.

Seine mit schwarzer Tinte und Aquarell gezeichneten Werke finden ihren Sinn und ihre Inspiration in einer zugleich grausamen, ironischen und sanften Inszenierung seines Alltagslebens, seines Umfeldes. Seine Zeichnungen sind die misslichen Abenteuer einer einzigen, gleichbleibenden Figur, die immer in einem blau gestreiften Pyjama oder einem weißen T-Shirt steckt.

Fabien Mérelle projiziert seinen Körper in diese Welt, in der sich alles mischt, Tierisches, Pflanzliches, Mineralisches. Eine Welt, in der sich Rinde in die Haut frisst, in der Mensch und Tier auf einer Stufe stehen. Eine Welt, in der weder Schwerkraft herrscht noch Anstand oder Tabus. Er komponiert mit dem Weiß des Papiers, das sehr präsent ist. Aus diesen leeren Hintergründen treten detaillierte Szenen zutage, das Blatt dient als Sammelbecken für Gedanken, Wünsche und Ängste des Künstlers. Auf realistische Art bringt er das Unwahrscheinliche zu Papier, er kehrt den Szenenaufbau um und schafft eine andere Realität, in der sich griechische Mythen mit altem Glauben mischen.

Seine Zeichenkunst folgt seinem Leben und erzählt von den Lebenslagen eines Mannes, der liebt, der Angst hat, der Vater wird. Er nimmt alles in sich auf, Werke von Künstlern, die er bewundert, Bilder, die er zufallsbedingt zusammenträgt, Wörter, die ihm keine Ruhe lassen. Es sind gezeichnete Haikus, grafisch dargestellte Worte.

Seine Arbeit ging um die Welt. Nach Hongkong, wo er 2012 auf dem Statue Square eine 5 Meter hohe Monumentalskulptur präsentierte, die aus einer seiner Zeichnungen hervorging. Nach New York, 2015, ins Drawing Centre. Nach Melbourne, im Rahmen einer Ausstellung zum 500. Jahrestag der Melancholie von Albrecht Dürer. Nach Madrid, Genf, Brüssel, Istanbul, Jakarta, Seoul, Singapur, Taiwan und Peking.

In Paris wird er von der Galerie Praz Delavallade präsentiert, in Hongkong von Édouard Malingue, in Madrid von Michel Soskine, in Genf von der Wilde Gallery Geneva und in Antwerpen von der Keteleer Gallery

PREISE

2010
Prix Canson
 
2007
Prix Keskar de la Fondation de France
 
2006
Prix de dessin Diamond
 
2003
Prix de dessin David-Weill

EINZELAUSSTELLUNGEN

2020
Faire corps avec la nature, Chapelle de la Visitation Contemporary Art Center, Thonon-les-Bains, France
 
2019
Édouard Malingue Gallery, Hong Kong
Voies de têtes, Keteleer Gallery, Antwerp, Belgium
Abri, pierre, bois, encre, papier, CCC OD, Tours, France
 
2018
Traversé(e), Praz-Delavallade, Paris, France
 
2017
Michel Soskine Gallery, Madrid, Spain
New Works, Project room, Praz-Delavallade, Los Angeles, USA
 
2016
Étreindre, Édouard Malingue Gallery, Hong Kong
Reconstruire, Art Bärtschi & Cie, Geneva, Switzerland
 
2014
Praz-Delavallade, Paris, France
 
2013
Espace Art Contemporain, La Rochelle, France
Elles et moi, Édouard Malingue Gallery, Hong Kong
 
2012
Praz-Delavallade, Paris, France
 
2010
Slick 10 - Contemporary Art Fair (Solo Booth), Fonds Canson pour l’Art et le Papier, Paris, France
Dibujos, Michel Soskine Gallery, Madrid, Spain
Jean Roch Dard Gallery, Paris, France
282 / 210 mm, Guy Bartschi Gallery, Geneva, Switzerland
 
2009
Fabien, Jean Roch Dard Gallery, Paris, France
 
2008
Premier Regard Gallery, Paris, France

GRUPPENAUSSTELLUNGEN

2021
Keteleer Gallery, Antwerp, Belgium
Hadrien de Montferrand Gallery, London, United Kingdom
Sculptures dans la ville, Namur, Belgium
2020
Fabien Mérelle with Antoine Roegiers. A l’ombre des nuages - Nos abris dérisoires, Wilde Gallery, Geneva, Switzerland
SUPERNATURAL. Skulpturale visionen des Körperlichen, Kunsthalle Tübingen, Tübingen, Germany
Un Été au Havre 2020, Palais des Régates, Le Havre, France
Real Utopias, Manifesta 13 - The European Nomadic Biennial’, Parallèles du Sud, Marseille, France
Restons Unis : Sous le soleil exactement, Perrotin and Praz-Delavallade Galleries, Paris, France
Le goût de l’art, l’art du goût, Château du Rivau, Léméré, France
Ceci n’est pas un corps, La Boverie, Liège, Belgium
 
2019
Signes Personnages, Saint-Étienne-de-Chigny ; La Membrolle-sur-Choisille ; Fondettes ; Luynes ; Chambray-lès-Tours ; Saint-Pierre-des-Corps, France
Aux sources des années 80, Musée de l’Abbaye Sainte-Croix, Sables-d’Olonne, France
Hommage à Léonard et à la Renaissance, Château du Rivau, Lémeré, France
 
2018
Un Été au Havre, Le Havre, France
Formes d’Histoires, Les Tanneries, Amilly, France
Le Beau, la Belle et la Bête, Château du Rivau, Lémeré, France
The Sensation of the Sea. In honour of Bas Jan Ader, The Mesdag Collection, The Hague, The Netherlands
 
2017
The Raft. Art is (not) Lonely, Mu.ZEE, Oostende, Belgium
The Artist/Knight, Kasteel van Gaasbeek, Lennik, Belgium
 
2015
Thirty Shades of White, Praz-Delavallade, Paris, France
Free Admission, Praz-Delavallade, Paris, France
Portraits from the École des Beaux-Arts Paris, The Drawing Center, New York, USA
Collective IV, Art Bärtschi & Cie, Carouge/Acacias, Switzerland
Sarah Jérôme - Sous la chair des roches, Da-End Gallery, Paris, France
Les Chimères et Merveilles, Château du Rivau, Lémeré, France
Les moustaches Radar - Résonances daliniennes dans l’art contemporain, Le Radar, Bayeux, France
 
2014
Five Centuries of Melancholia, The University of Queensland, UQ Art Museum, Brisbane, Australia
 
2013
Donation Florence et Daniel Guerlain, MNAM - Centre Georges Pompidou, Paris, France
Les visiteurs d’un soir, de l’atelier d’artiste à Drouot, Drouot, Paris, France
Collective II, Guy Bärtschi Gallery, Geneva, Switzerland
 
2012
Guy Bärtschi Gallery, Geneva, Switzerland
 
2011
Fabien Mérelle, François Nanjo, Sun Xun, Hadrien de Montferrand, Beijing, China
 
2010
Dessins contemporains / Collection Florence et Daniel Guerlain, Musée de Beaux-Arts et d’Archéologie,
Besançon, France
 
2009
When I Grow Up, Jean Roch Dard Gallery, Paris, France
Artistes de la Casa de Velàsquez 2007-2009, Casa de Velàsquez, Madrid, Spain
 
2008
Griesmar & Tamer Gallery, Paris, France
 
2006
Issue Gallery, Paris, France
La Fabrique du Dessin, École nationale supérieure des Beaux-Arts, Paris, France