Künstlerischer Ansatz
Chiharu Shiota schafft Räume ohne jede menschliche oder physische Präsenz, in denen aber die Fäden der Erinnerung und die Spuren der Zeit sich zu spinnennetzartigen Geweben verflechten, die leblose Objekte mit der Vergangenheit verbinden, mit Erlebnissen, Einflüssen, die nur noch im Gedächtnis existieren.
Mit ihren spektakulären Werken auf halbem Weg zwischen Vorführung, körperlicher Kunst und Installation, die durch den Einsatz geflochtener Schnüre sofort erkennbar sind, hat sie in der zeitgenössischen Kunst einen ganz besonderen Platz gefunden. Das Werk von Chiharu Shiota projiziert ein verblüffendes Weltbild, das man buchstäblich nicht so schnell vergisst. Das Gedächtnis der Dinge war schon immer ihr bevorzugtes Thema.
„Es gibt einen Moment, in dem die feinen Linien zusammenlaufen und sich ausbreiten. Und plötzlich gelingt es nicht mehr, die Linien mit den Augen nachzuverfolgen. Wenn der einzelne Faden nicht mehr erkennbar ist, scheint die darin enthaltene Wahrheit endlich sichtbar zu werden.”
Das grafische Netzwerk, das die Elemente miteinander verbindet, evoziert die Macht zwischenmenschlicher Bindungen und die unvermeidliche Abhängigkeit des Menschen von seinen Wurzeln – Beziehungen, die durch den Individualismus der heutigen abendländischen Kultur Schaden erleiden.
„Die Fäden sind ineinander verwoben. Sie verwickeln sich. Sie reißen. Sie lösen sich voneinander. Sie sind wie ein Spiegel der Gefühle und Leiden, die sich durch unser Leben ziehen. Die Fäden nach und nach zu durchtrennen, miteinander zu verweben und zu verknüpfen, regt mich dazu an, ein ganz anderes Universum innerhalb des begrenzten Rahmens der Skulptur zu erschaffen”, erklärt die Künstlerin, die unablässig die Begriffe Zeitlichkeit, Bewegung, Erinnerung und Traum erforscht.
Direction of Consciousness
BIOGRAPHISCHE ANGABEN
Chiharu Shiota wurde 1972 im japanischen Osaka geboren und lebt und arbeitet seit 1997 in Berlin.
Mit verwobenen Fäden kombiniert die Künstlerin Performances, körperliche Kunst und Installation in einem Schaffensprozess, der den Körper in den Mittelpunkt stellt. Ihr vielgestaltiges künstlerisches Wirken erforscht die Begriffe Zeitlichkeit, Bewegung, Erinnerung und Traum und fordert den geistigen und zugleich körperlichen Einsatz des Betrachters.
In den letzten Jahren hatte Chiharu Shiota Ausstellungen in aller Welt, insbesondere im New Museum of Jakarta, Indonesien und im SCAD Museum of Art in den USA (2017), im K21 Kunstsammlung NRW, Düsseldorf (2014), im Smithsonian, Washington DC (2014) und im Kochi Museum of Art, Japan (2013).
2015 vertrat Chiharu Shiota mit ihrer Installation The Key in the Hand Japan bei der Biennale di Venezia. 2018 stellt sie im Museum of Kyoto aus und 2019 ist von ihr im Mori Art Museum von Tokyo eine Ausstellung zu sehen, die das Gesamtwerk der Künstlerin beleuchtet.