Die historischen Gemächer

published at 06/03/2017

Das sogenannte Schlafzimmer von Ruggieri

Das sogenannte Schlafzimmer von Ruggieri wurde nach einem Zeichen auf der Kamineinfassung benannt: der griechische Buchstabe Delta –Anfangsbuchstabe von Diana– und drei Kreise bzw. Vollmonde. Diese Skulptur wurde zunächst als kabbalistisches Symbol Ruggieris angesehen, einem der Astrologen von Katharina von Medici, doch könnte sie auch eine Anspielung auf Diane de Poitiers sein, da Diana in der römischen Mythologie die Mondgöttin ist. Ein Bett mit Baldachin aus dem späten 17. Jahrhundert, ein Porträt aus dem 17. Jahrhundert, das vermutlich Cosimo Ruggieri zeigt, und ein Flügelkabinett mit Schublade, Ring und verschließbarem Rolldeckel aus dem ersten Viertel des 17. Jahrhunderts vervollständigen die Ausstattung des Zimmers. Der Raum weist im Schloss einen mehrfarbigen Kamin aus dem 16. Jahrhundert auf, der daran erinnert, dass Kamine in dieser Zeit bemalt waren, sowie Ziegel- und Steinmauern nach einem zu Beginn des 16. Jahrhunderts üblichen Verfahren.

Das sogenannte Schlafzimmer von Katharina von Medici

Das sogenannte Schlafzimmer von Katharina von Medici –ein ehemaliges Prunkgemach- zeigt den ältesten erhaltenen Wandteppich des Schlosses. Er wurde im ausgehenden 15. Jahrhundert in Tournai gewebt (Geschichte von Perseus und Pegasus). Zu erkennen sind auch ein Ganzkörperporträt von Katharina von Medici (Kopie aus dem 19. Jahrhundert), ein Wandteppich der Manufaktur Flandern des ausgehenden 16. Jahrhunderts (Geschichte von David und Abigail) sowie ein bemerkenswertes Bett aus dem 19. Jahrhundert im Stil Heinrichs II., reich verziert mit Schnitzereien: Figuren, Maskenornamente, Füllhörner und Girlanden aus Lorbeerblättern und Früchten. Der Kopfteil ist geschmückt mit Meerjungfrauen in Halbrelief und wird überragt von einer Amazone und einem Krieger, die dem Betthimmel als Pfosten dienen. Die Ausstattung des Zimmers besteht aus einem Stuhl aus dem 16. Jahrhundert. Letzterer zeigt die Darstellung eines Reihers unter einem Torbogen, der gerade einen Aal verschluckt. Zu seinen Füßen stehen sich zwei Einhörner gegenüber, die ein Wappenschild halten. Neben dem Bett befindet sich ein Schrank, dessen Fassade aus dem 15. Jahrhundert eine für die damalige Zeit charakteristische Bildthematik anklingen lässt: in der oberen Kassette die drei göttlichen Tugenden -Glaube, Hoffnung, Barmherzigkeit- und die vier Jahreszeiten; in der unteren Kassette die fünf Sinne.

Der Ratssaal

Der Ratssaal verfügt über außergewöhnliche, von der Broglie-Familie erworbene Majolika-Fliesen aus dem 17. Jahrhundert, die ursprünglich aus dem Palazzo Collutio in Palermo stammen. Ein ausziehbarer Tisch nach italienischer Art aus dem 16. Jahrhundert, eine Kaminplatte des ausgehenden 17. Jahrhunderts aus dem Château de Ménars (nahe Blois) sowie ein Gemälde mit dem Porträt von Diane de Poitiers (19. Jahrhundert) bereichern die Einrichtung des Zimmers.

WANDBEHANG DER PLANETEN UND TAGE

Als Meisterwerk der Webkunst des späten 16. Jahrhunderts wird „La Tenture des Planètes et des Jours“ nach mehreren Jahren, während denen er abgenommen war, und einem Jahr Restaurierung in den Werkstätten der Königlichen Manufaktur De Wit in Belgien erneut im Ratssaal des Schlosses von Chaumont-sur-Loire ausgestellt.

Dieser 1889 vom Prinzen und der Prinzessin Henri-Amédée de Broglie (letzte Privateigentümer des Schlosses von Chaumont-sur-Loire) erworbene Wandbehang, von denen es weltweit nur zwei gibt – in Chaumont-sur-Loire und im bayrischen Nationalmuseum von München –, besteht aus acht Wandteppichen und wurde Ende des 16. Jahrhunderts (1570) in der Werkstatt des Webmeisters Martin Reymbouts in Brüssel gewebt. Die Wandteppiche wurden zusammengefügt, um die Wände des großen Saals im Ostflügel (Ratssaal) in der ersten Etage des Schlosses zu schmücken.

Als die Prinzessin de Broglie das Schloss verließ, wurden die Wandteppiche beim Kauf des Anwesens im Jahr 1938 vom Staat zurückbehalten und an Ort und Stelle gelassen. Das Ensemble wurde bei der ersten Bestandsaufnahme im Schloss 1938 als Denkmal klassifiziert. Zentrales Thema dieses berühmten Wandbehangs „Tenture des Planètes et des Jours“ ist die Astrologie. Jede Göttlichkeit der römischen Antike, die einem Wochentag oder einem Planeten entsprach, sitzt in einem Wagen, der symbolisch für die Wanderung der Gestirne steht. Der Wagen besitzt in seinen Rädern eines oder mehrere Zeichen des Tierkreises und wird von einem echten oder von einem Fantasietier gezogen, das mit der Göttlichkeit in Verbindung steht.

Im unteren Abschnitt werden Tätigkeiten dargestellt, die unter dem Einfluss der Göttlichkeit oder mythologischer bzw. biblischer Szenen stehen, in baumbewachsenen Landschaften. Breite Ränder, die aus Grotesken und verzierten Feldern bestehen, die wiederum im Zusammenhang mit dem zentralen Gefüge stehen, rahmen jeden Teppich ein. Auf den Wandteppichen kann man Diana, Saturn, Apollo, Venus und Mars erkennen, auf einem Teil eines anderen Wandteppichs aus der Werkstatt von Martin Reymbouts werden „Le Mariage“ (Die Hochzeit), sowie Merkur und Jupiter dargestellt.

Der Saal der Wachen

Der Saal der Wachen, liegt in der Vorburg und nimmt oberhalb des Portalvorbaus des Schlosses eine strategische Position ein. Im Saal befindet sich ein seltener Tresor aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert mit einem Gewicht von über 250 kg, ein Wandteppich aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert mit der Darstellung einer Episode aus dem Leben des Athener Feldherrn Kimon, eine Sammlung osmanischer Waffen (Kamineinfassung) aus dem 19. Jahrhundert -ein Geschenk des Maharadschas von Kapurthala an die Broglie-Familie-, sowie drei Gemälde (Leidensweg Christi aus dem 17. Jahrhundert, Letzte Ölung und Wiederauferstehung im „neoprimitiven” Stil des 19. Jahrhunderts).

Das sogenannte Schlafgemach des Königs

Das sogenannte Schlafgemach des Königs, sliegt im Westturm der Vorburg und ist mit buntverzierten Holztäfelungen und Decken aus den Jahren 1830 bis 1840 im Stil des Historismus verziert, wie sie zur Zeit der Romantik sehr beliebt waren. In diesem Raum werden regelmäßig Dokumente und Fotografien ausgestellt, die aus dem Leben im Schloss zur Zeit der Familie Broglie erzählen.

In dem Raum befinden sich zudem 70 Medaillons und 8 Formen, die im 18. Jahrhundert von dem italienischen Künstler Jean-Baptiste Nini gefertigt wurden. Er erstellte Porträts von zahlreichen Persönlichkeiten seiner Zeit: Ludwig XV., Ludwig XVI., Marie-Antoinette, Benjamin Franklin, aber auch von Mitgliedern der Familie Le Ray oder bescheideneren Zeitgenossen (Ärzte, Notare, Gutsverwalter). Die Sammlung gilt heute als die weltweit wichtigste und prunkvollste.

Die gewendelte Ehrentreppe

Die gewendelte Ehrentreppe, bezeugt den schrittweisen Einzug des italienischen Stils, der die französischen Künstler um 1500 beeinflusste: Gotische Kleeblatt-Motivik weicht Renaissance-Blattwerk, italianisierende Arabesken bedecken Säulenschäfte. Die Fenster sind geschmückt mit heraldischen Motiven (Wappen) und repräsentieren die verschiedenen Schlossherrenfamilien der Domaine de Chaumont.

Die Treppe führt zu verschiedenen unmöblierten Bereichen des Schlosses, die heute zeitgenössischer Kunst gewidmet sind und erst vor kurzem wieder geöffnet wurden, darunter das frühere Schlafzimmer der Prinzessin de Broglie, das heute eine Kunstgalerie beherbergt.